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Wechseljahresbeschwerden Nützliche Hilfen aus der Apotheke Gegen viele typische Wechseljahrsbeschwerden ist ein Kraut gewachsen Sich mit Hitzewallungen und Stimmungstiefs herumquälen oder Hormone einnehmen? Für Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden existiert eine dritte Möglichkeit: Hilfe aus der Natur. Traubensilberkerze Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) lindern belastende Begleiterscheinungen der Wechseljahre wie Hitzewallungen, Herzklopfen oder Stimmungsschwankungen. Die Heilpflanze enthält neben hormonähnlichen Substanzen auch noch nicht identifizierte Inhaltsstoffe, die das vegetative Nervensystem beeinflussen. Sie eignet sich zur Behandlung leichter bis mittelschwerer vegetativer Beschwerden. Als wirksame Tagesdosis gilt eine Menge an Extrakt, die 40 Milligramm Wurzelstock entspricht. Meist zeigen sich spürbare Effekte nach etwa zweiwöchiger Einnahme. Bei sehr starken Beschwerden kann der Arzt Traubensilberkerzen-Präparate auch mit einer – dann entsprechend niedriger dosierten – Hormongabe kombinieren. Anders als Östrogene entfalten Cimicifuga-Auszüge ihre Wirkung gewebespezifisch: Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass sie das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut nicht beeinflussen. Brusttumoren wurden im Tierversuch nicht angeregt. Mönchspfeffer Agnus castus regt die Produktion des Hormons Progesteron an. Fällt zu Beginn der Wechseljahre der Eisprung häufiger aus, wird weniger Progesteron freigesetzt. Dies führt zu hormonellem Ungleichgewicht. Als Folge können schmerzhaftes Brustspannen, verkürzte Zyklen und depressive Verstimmungen auftreten. In dieser frühen Phase wirken Präparate mit Mönchspfeffer regulierend. Soja & Rotklee Für den Begriff "Hitzewallungen" gibt es im Japanischen kein Wort, so selten treten diese Beschwerden dort auf. Wissenschaftler nehmen heute an, dass die Ursache dafür in der sojareichen Ernährung liegt. Soja enthält reichlich Phytohormone (östrogenähnliche pflanzliche Substanzen) aus der Gruppe der Isoflavone. Wirksame Isoflavon-Mengen von rund 40 Milligramm lassen sich mit westlicher Kost kaum erreichen. Hier können Nahrungsergänzungsmittel mit Soja-Isoflavonen Abhilfe schaffen. In einer Vergleichsstudie mit 64 Frauen, die über sechs Monate ein entsprechendes Präparat einnahmen, besserten sich Hitzewallungen, Herzbeschwerden und Scheidentrockenheit deutlich. Kaum Einfluss hatten die Pflanzenöstrogene dagegen auf Schlafstörungen, Depressionen, Gelenkbeschwerden und Brustspannen. Auch Extrakte aus Rotklee enthalten Isoflavone; sie lindern Wechseljahresbeschwerden in ähnlicher Weise. Johanniskraut Wenn die hormonellen Veränderungen vor allem die Seele aus dem Gleichgewicht bringen, kann Johanniskraut (Hypericum perforatum) die Psyche stabilisieren. Seine stimmungsaufhellenden und angstlösenden Effekte verdankt die Pflanze einem Substanzgemisch, unter anderem aus Hyperforin und Hypericinen. Johanniskraut entfaltet seine Wirkung bei täglicher Einnahme nach mehreren Wochen. Es wird als Fertigpräparat mit genau definiertem Extraktgehalt angeboten. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke ein Präparat mit einem ausreichend hohen Wirkstoffgehalt empfehlen. Vorsicht in der Sonne: Johanniskraut erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut. Hopfen & Co. Vor allem Schlafstörungen machen vielen Frauen im Klimakterium das Leben schwer. Beruhigende Heilkräuter wie Hopfen, Baldrian, Melisse oder Passionsblume können zum einem den Schlaf fördern, zum anderen Reizbarkeit und Nervosität lindern. Baldrian fördert zudem tagsüber die Konzentrationsfähigkeit. Die Heilkräuter gibt es als Fertigpräparate; sie eignen sich auch gut zur Teezubereitung. Die abendliche Tasse Tee lässt sich als schlafförderndes Ritual praktizieren. Da es Hinweise gibt, dass Hopfen auch Phytohormone enthält, sollte er in Teemischungen nicht fehlen. Ausgesprochen wohltuend wirken abendliche Entspannungsbäder, zum Beispiel mit den wohlriechenden ätherischen Ölen von Lavendel und Melisse. Hopfen und Lavendel können ihre Wirkung auch in kleinen Kräuterkissen entfalten. Für Duftlampen eignen sich die ätherischen Öle von Rose oder Jasmin. Salbei Das Kraut der blau blühenden Pflanze wirkt schweißhemmend und ist deshalb ein beliebter Bestandteil in Tees gegen Wechseljahresbeschwerden. Salbei (Salvia officinalis) lindert Nachtschweiß und kann so das Durchschlafen erleichtern. Gegen übermäßiges Schwitzen gibt es Salbei-Extrakt auch als Fertigpräparat. Kalzium Mindestens 1000 Milligramm Kalzium pro Tag benötigt der Mensch für stabile Knochen; viele Frauen in den Wechseljahren brauchen deutlich mehr. Wer diese Menge mit der Nahrung nicht aufnehmen kann, etwa wegen Milchzuckerunverträglichkeit, sollte zusätzlich ein Kalziumpräparat einnehmen. Auch eine ergänzende Vitamin-D-Gabe kann sinnvoll sein. Kosmetik Schon Ende 30 verliert die Haut ihre jugendliche Elastizität. Die rückläufige Östrogenproduktion in den Wechseljahren verändert Struktur und Feuchtigkeitsgehalt noch stärker. Fältchen bilden sich, die Haut wirkt trockener und weniger frisch. Alles, was die Haut weiter austrocknen könnte, ist jetzt tabu. Zur Reinigung eignen sich Waschzusätze mit rückfettenden Stoffen, fürs Gesicht sanfte Lotionen. Speziell zur Pflege der Haut nach den Wechseljahren haben Kosmetikhersteller Cremes mit Phytohormonen aus Soja oder Traubensilberkerze entwickelt. Diese entfalten östrogenähnliche Wirkungen und regen den Aufbau des Kollagens im Bindegewebe sowie die Produktion der Talgdrüsen an. Bis sich sichtbare Erfolge einstellen, vergehen mindestens vier Wochen. Harnstoff (Urea), Glyzerin oder Aloe vera erhöhen das Feuchthaltevermögen der Haut. Sie regenerieren die Speicher- und Barrierefunktion der dünner werdenden Hülle, lassen sie praller und glatter erscheinen. Retinol, eine Vorstufe des Vitamins A, regt die Zellerneuerung der Haut an – mit sichtbarem Effekt: Falten werden flacher, Poren kleiner, die Gesichtszüge straffer. Die Zellschutz-Vitamine E und C bewahren die Haut vor dem Angriff aggressiver Sauerstoffmoleküle, etwa durch UV-Strahlen. Pflanzliche Öle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, zum Beispiel das Öl von Wildrose oder Nachtkerze, unterstützen die Regeneration der Haut und überziehen sie mit einem schützenden Film. Gleitgele Eine trockene Scheidenschleimhaut kann Schmerzen beim Sex verursachen. Neben dem nachlassenden Östrogenspiegel spielen auch Stress und Übermüdung eine Rolle. Spezielle Gleitgele gleichen die mangelnde Feuchtigkeit aus. Gleitmittel auf Wasserbasis greifen Latex nicht an und lassen sich auch mit Kondomen anwenden. Fetthaltige Mittel können die Schleimhaut zusätzlich reizen.
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