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Masern-Bekämpfung "Masern sind doch harmlos." Viel zu viele Eltern glauben noch an diesen weitverbreiteten Irrtum und lassen ihre Kinder nicht impfen. Alle diese Kinder leben gefährlich Berichte über massenhafte Masernfälle mit teilweise tödlichem Ausgang aus Neapel, Süditalien und im März 2002 auch in der Region Coburg in Deutschland haben viele Menschen aufgeschreckt. Für Mediziner und Wissenschaftler, die seit Jahren um eine bessere Durchimpfungsrate in Deutschland eintreten, kamen die Nachrichten jedoch nicht überraschend. Sie halten größere Masern-Epidemien jederzeit für möglich. Privatdozent Dieter Hassler aus Kraichtal warnt in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift (DMW, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2002) vor den Folgen. Bei etwa fünf bis zehn Prozent der Erkrankten entwickelt sich eine Mittelohrentzündung, die zu Hörstörungen führen kann. Auslöser sind Bakterien, die den durch Masern geschwächten Körper leichter befallen können. Weiterhin erkranken etwa ein bis sechs Prozent der Masernkranken an einer Lungenentzündung. Sie wird entweder durch das Masernvirus ausgelöst oder ist Folge einer Begleit-Infektion mit Bakterien. Noch gefürchteter ist eine Hirnentzündung (Masern-Enzephalitis). Ihre Häufigkeit beträgt nur 1:1000, aber 15 Prozent der Erkrankten sterben daran, warnt Hassler. Weitere 25 Prozent erlitten einen bleibenden Schaden. In sehr seltenen Fällen kommt es zu einer dauerhaften Maserninfektion und Verkalkung des gesamten Gehirns. Diese "subsklerosierende Panenzephalitis" führt nach einem jahrelangen Siechtum immer zum Tod. BabyundEltern.de rät deshalb allen Eltern dringend, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen. Notwendig für einen lebenslangen Impfschutz ist die erste so genannte MMR-Impfung (Masern/Mumps/Röteln) ab dem 12. Lebensmonat und die Auffrischungsimpfung (die leider oft "vergessen" wird), vor der Einschulung. Vorbildlich in Sachen Masern-Impfung sind beispielsweise die USA. Hier sind die Masern fast ausgerottet. Es gibt nur noch wenige Erkrankungen, die aus dem Ausland eingeschleppt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass es die Masern bald nicht mehr gäbe, wenn die Kinder in allen Ländern konsequent geimpft würden. Das Virus befällt nämlich nur den Menschen. Doch davon ist Deutschland bedauerlicherweise weit entfernt. Professor Dr. med. Fred Zepp, Direktor der Universitäts-Kinderklinik und Kinderpoliklinik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) in Berlin berichtete anlässlich einer Pressekonferenz in München, wie zornig Kollegen auf internationalen Symposien auf die verbreitete deutsche Impfmüdigkeit reagieren: "Deutschland gilt hinsichtlich der Masern-Bekämpfung international als absolutes Entwicklungsland. Und das lässt man uns deutlich spüren." |
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