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Scheidung Der Rosenkrieg macht krank "Ehescheidung ist eines der am meisten belastenden Ereignisse im menschlichen Leben." In der Rangfolge schwer wiegender Lebensereignisse steht Scheidung an zweiter Stelle, gleich nach dem Tod eines nahe stehenden Familienangehörigen, sagt Prof. Kurt Hahlweg, Leiter der Klinischen Psychologie an der Technischen Universität Braunschweig und Eheberater. Scheidungen machen körperlich und seelisch krank. "Dasselbe gilt für chronische Konflikte in einer schlecht funktionierenden Paarbeziehung", erweitert der Professor den Kreis der Betroffenen. Gibt es laufend Krach und Stress im Familienalltag, bringt das die Biochemie des Körpers durcheinander. Auf den bevorstehenden Partnerkampf programmiert, kann sich der Organismus zum Beispiel nicht mehr auf die Abwehr von Krankheitserregern konzentrieren. Die Folge: Durch die geschwächte Immunabwehr wird der Körper anfälliger für akute Infektionen und chronische körperliche Erkrankungen. Von Bluthochdruck bis Rückenschmerzen Die Professorin Janice Kiecolt-Glaser von der Ohio State University interessiert sich seit Jahren dafür, wie Ehe und Gesundheit zusammenhängen. Dazu hat sie kürzlich 64 Studien zum Thema zusammengetragen. Ihre Auswertung bestätigt den "Krankheitswert" von ständigem Beziehungsfrust: Unzufriedenheit mit der Beziehung kann sich in zahlreichen Bereichen des körperlichen Befindens widerspiegeln. So kann etwa der Blutdruck dauerhaft ansteigen, die Cholesterinwerte können sich negativ verändern, Herzattacken treten häufiger auf, und es können sich chronische Rückenschmerzen einstellen. Interessant auch: Unglückliche Männer litten deutlich häufiger unter Karies und Parodontitis als solche, die ihre Partnerschaft als gut einstuften. Frustrierte Frauen beklagten sich häufiger über prämenstruelles Syndrom als Frauen aus einer zufriedenen Vergleichsgruppe. Auch die Seele ist in Gefahr Doch nicht nur der Körper, auch die Seele leidet unter Beziehungsstress. Wer chronischen Konflikten oder einer Scheidung ausgesetzt ist, hat beispielsweise im Schnitt ein sechsfach erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken. Für Frauen sieht es noch schlechter aus: Bei ihnen steigt die Gefahr sogar um das Zehnfache. Drei erfolgreiche Strategien für die Liebe: 1 – Miteinander reden Sich gegenseitig zu beschuldigen bringt niemanden weiter. "Besonders schlimm ist es, wenn Paare aufhören, miteinander zu sprechen", so die Psychotherapeutin und Mediatorin Gabriella Bellino aus Stuttgart. Inga Thies, Diplom-Sozialpädagogin und Mediatorin im evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirk Nürnberg, schlägt folgende Strategie vor: "Reden Sie in fest vereinbarten Zeitabständen miteinander." Dazu sollte sich das Paar einen Abend in der Woche freihalten und das Telefon aushängen. Im Zwiegespräch – jeder hat zum Beispiel 20 Minuten Zeit – erzählen sich die Partner, was sie bedrückt oder am anderen stört. Verboten ist, sich gegenseitig zu unterbrechen, auch wenn dem Partner vor Wut beinahe der Kragen platzt. Diese Methode verlangt sehr viel Disziplin, ist aber andererseits äußerst wirkungsvoll. Probieren Sie es einmal aus, auch wenn Sie es zunächst seltsam finden. 2 – Richtig zuhören Das Grundübel ist, dass wir in Konflikten dem anderen nicht mehr richtig zuhören, sondern uns bereits zurechtlegen, was wir erwidern könnten, um seine Argumente zu entkräften. "Ziel muss es sein zu lernen, einander zuzuhören und einander auf einer tieferen Ebene zu verstehen", weiß Bellino. 3 – Brücken bauen Ist das für das Paar nicht mehr möglich, kann es sich mit einer neutralen Person, einer Mediatorin, einem Mediator, an einen Tisch setzen (Adressen zum Beispiel bei konfessionellen Einrichtungen, im Branchenbuch und unter www.centrale-fuer-mediation.de). Mediatoren ergreifen keine Partei. Ihre Aufgabe ist es, den Partnern in festgefahrenen Situationen zu übersetzen, was der/die andere gemeint hat. Die Lösungen und Vereinbarungen müssen die Streitenden selbst offen, fair und einander zugewandt erarbeiten.
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