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Prostatakrebs Warum die Früherkennung so wichtig ist Falsche Scham und Hemmungen behindern die Früherkennung des "Männerkrebses". Ein Gespräch mit Prof. Dr. med Hofmann über Untersuchungsmethoden und Möglichkeiten der Therapie Professor Dr. med. Rainer Hofmann ist Direktor der Urologischen Klinik der Philipps-Universität in Marburg und seit über 20 Jahren Experte für Prostata-Erkrankungen. Wir wollten wissen, ob Untersuchungen und Therapie bei Prostatakrebs wirklich so schlimm sind und warum die Früherkennung entscheidend ist. Herr Professor Hofmann, müssen Männer wirklich Angst vor dem Gang zum Urologen haben? Was passiert bei der Vorsorgeuntersuchung, ist sie schmerzhaft? Nein, die Untersuchung ist nicht schmerzhaft, vielleicht etwas unangenehm. Wir tasten die Prostata vom After aus mit dem Finger ab. So lässt sich ihre Größe und Beschaffenheit feststellen. denn Unregelmäßigkeiten und Verhärtungen in der Prostata könnten auf einen Tumor hindeuten. Ergänzend sollten auch Urinproben genommen und der Stuhl auf Blut untersucht werden. Diese Vorsorgeuntersuchungen sind Kassenleistungen und werden bezahlt. Die Kassen selbst empfehlen sogar, die Kontrollen einmal jährlich durchführen zu lassen. Ideal wäre jedoch auch zusätzlich den PSA-Wert im Blut zu bestimmen. Dieser Blutwert gibt die Menge des prostataspezifischen Antigens an, einem Eiweiß, das bei Krebs vermehrt gebildet wird und deshalb auf einen Prostatatumor hindeuten kann. Außerdem sollte eine Ultraschallaufnahme gemacht werden. Es gibt inzwischen ja auch einen PSA-Schnelltest in der Apotheke für zu Hause. Empfehlen Sie Männern sich selbst zu testen? Grundsätzlich: Ja. Zur groben Orientierung ist er empfehlenswert. Ein erhöhter PSA-Wert muss nämlich nicht sofort Krebs bedeuten. Auch bei Entzündungen der Prostata oder gutartiger Vergrößerung wird mehr von dem Eiweiß gebildet. Daher ist ein positiver Test zunächst kein Grund zur Panik, aber in jedem Fall eine Aufforderung zum Arzt zu gehen und die Ursache abklären zu lassen. Zur Früherkennung liefert der PSA-Test erste Hinweise und die Sterblichkeitsrate konnte seit Einführung des Tests so bereits gesenkt werden. Als Tumormarker ist der PSA-Wert übrigens schon seit vielen Jahren im Einsatz und dient der Verlaufskontrolle der Krebserkrankung. Warum steigen bei frühzeitigem Behandlungsbeginn die Heilungschancen und welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Der Tumor kann in verschiedene Entwicklungsstadien eingeteilt werden. Ist er anfangs noch auf die Prostata beschränkt, das heißt liegen keine Absiedelungen, also Metastasen in den Lymphknoten des kleinen Beckens vor, kann durch chirurgische Entfernung der Prostata der Patient wirklich geheilt werden. Alternativ kommt auch eine Bestrahlungstherapie in Frage, entweder von außen oder auch "von innen", indem man kleine radioaktive Strahlenquellen, so genannte Seeds, direkt in das Prostatagewebe setzt. Dieses Spicken der Prostata hat weniger Nebenwirkungen, weil die Bestrahlung viel gezielter ist. Gibt es auch eine medikamentöse Behandlung? Ja, aber sie wird prinzipiell in einem späteren Stadium eingesetzt, wenn der Tumor auf Lymphknoten oder evtl. auch bereits auf Knochen übergegriffen hat und ein Operation nicht mehr hilft. Antihormone bzw. LHRH-Agonisten kommen hier in Frage. Denn fast alle Prostatakarzinome reagieren zunächst hormonsensitiv, d.h. sie wachsen unter dem Einfluss des männlichen Hormons Testosteron. Mit den Antihormonen, als Tabletten oder Spritzen, kann man die Bildung von Testosteron hemmen und das Tumorwachstum bremsen. Es kann aber sein, dass die Krebszellen irgendwann darauf nicht mehr ansprechen. Erst dann kommen weitere Hormonpräparate zum Einsatz, z. B. weibliche Hormone, also Östrogene, die aber stärkere Nebenwirkungen haben. Viele Männer halten eine medikamentöse Therapie nicht konsequent durch oder lehnen eine Operation sogar ab, weil sie eine Impotenz fürchten. Ist diese Angst begründet? Bei einer Operation kommt es ganz darauf an, wie weit der Krebs schon entwickelt ist und ob die Nerven, die unmittelbar im Bereich der Prostatakapsel verlaufen, in Mitleidenschaft gezogen werden. Liegt der Tumor in einem frühen Stadium nur in einem Prostataseitenlappen und hat keine Metastasen gebildet, können die Nerven erhalten bleiben. Bei einem beidseitigen Nervenerhalt ist nach der Operation etwa bei jeder zweiten sexuellen Stimulation mit einer Erektion zu rechnen, bei einseitigem Erhalt in etwa 30% – 50 % Prozent der Fälle. In dieser Situation kann man z.B. Viagra einsetzen, um eine Erektion auslösen. Erst in weiter fortgeschrittenen Krebs-Stadien, muss man die Nerven auf beiden Seiten mit entfernen. Dann tritt wirklich eine Impotenz auf. Aber es gibt einige Behandlungsmöglichkeiten, Medikamente oder mechanische Hilfen, um weiterhin ein erfülltes Sexualleben zu genießen. Bei einer Hormonentzugstherapie wird die Potenz und auch die Libido stark beeinträchtigt. Eine obst- und gemüsereiche Ernährung soll vor Prostatakrebs schützen. Stimmt es, dass bereits zwei Tomatengerichte pro Woche das Erkrankungsrisiko um bis zu 34% senken können? Eine so pauschale Empfehlung kann man schwer geben. Aber grundsätzlich stimmt es, dass eine obst- und gemüsereiche Ernährung das Erkrankungsrisiko senkt. Besonders das Lycopen in Tomaten, Flavonoide aus Sojabohnen, und so genannte Polyphenole, wie sie im Rotwein und im grünen Tee enthalten sind, wirken krebshemmend. Auch bei Vitamin E und Selen hat sich eine krebsschützende Wirkung gezeigt. Grundsätzlich eignet sich eine mediterrane Kost mit wenig Fleisch und viel pflanzlichen Produkten, um dem Prostatakrebs vorzubeugen. |
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