Dem Glück auf der Spur

Psychologen bestätigen die alte Weisheit, dass (fast) ein jeder "seines Glückes Schmied" sein kann

Einfach glücklich sein: Warum ist das oft gar nicht so einfach? Und was ist das überhaupt: Glück? Ein Lottogewinn? Die große Liebe? Der kollektive Freudentaumel der Fußballfans nach dem Triumph des FC Bayern in der Champions League? Oder ist Glück ganz unspektakulär "eine gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis", wie Ernest Hemingway ernüchternd formulierte?

Glück: beeinflussbar, Zufall oder angeboren?

Was jeder einzelne unter Glück versteht, hat offensichtlich sehr viel mit dem eigenen Lebensgefühl zu tun. In einer repräsentativen Umfrage des Wort & Bild – Verlags meinte mehr als die Hälfte der Interviewten, es liege vor allem in der eigenen Hand beziehungsweise an der persönlichen Einstellung, ob das Leben glückt. Jeder vierte stimmte dagegen der Aussage zu, Glück sei vor allem eine Sache des Zufalls. Sieben Prozent sahen die Sache ganz fatalistisch: Glück ist einfach angeboren.

"Happyologen" sind dem Glück auf der Spur

Ganz verkehrt liegt damit keiner, wie neuere Erkenntnisse aus der Glücksforschung zeigen. Was macht ein gelungenes Leben aus? Welche Eigenschaften kennzeichnen Lebenskünstler gegenüber ihren weniger glücklichen Zeitgenossen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein relativ junger Zweig der Psychologie. Nicht Neurosen und Depressionen, sondern der Schlüssel zum geglückten Leben ist das Forschungsgebiet der "Positiven Psychologie". Ausgerüstet mit Mikrofon und Fragebogen haben die "Happyologen" das Glück "vor Ort" gesucht – bei Menschen, die sich selbst als "glücklich" bezeichnen. Aus Hunderttausenden von Auskünften, Untersuchungen und Statistiken destillierten die Psychologen wesentliche Einsichten über die Kriterien für ein gutes Leben. Und dabei haben sie auch mit einigen weit verbreiteten Vorstellungen aufgeräumt.

Glück ist die Summe vieler Glücksmomente

Die wichtigsten Erkenntnisse der Glücksforscher: Nicht einzelne grandiose Ereignisse, sondern die Summe der glücklichen Augenblicke sind entscheidend für das Lebensglück. Glückliche Menschen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie in der Lage sind, die vielen Glücksmomente zu genießen, die der Alltag bietet. Ob unser Leben gelingt, hängt von bestimmten glückssteigernden Verhaltensweisen und Eigenschaften ab. Weil diese zum Teil angeboren sind, ist das Glück aber auch eine Schicksalsfrage.

Reich, schön und unglücklich

Äußere Umstände spielen dagegen eine geringere Rolle als weithin vermutet. So sind reiche und schöne Menschen keineswegs auch besonders glücklich. Bei einer Befragung amerikanischer Mulitmillionäre stellte sich heraus, dass 37 Prozent der Interviewten sich sogar unglücklicher fühlten als der Durchschnitt der US-amerikanischen Bevölkerung. Zwar gibt es durchaus einen gewissen Zusammenhang zwischen materiellem Wohlergehen und Glück. Armut ist keine gute Basis für Zufriedenheit. "Doch ab einem gewissen Wohlstand", sagt der ungarisch-amerikanische Psychologieprofessor und wohl bekannteste Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi, "bringt mehr Besitz nicht mehr Glück".

Talent zum Glück: Die Gene spielen mit

"Jeder Mensch", sagt David Lykken von der University of Minnesota, "erbt einen bestimmten Glückslevel." Er und sein Kollege Auke Tellegen hatten die Daten von 1380 ein- und zweieiigen Zwillingen ausgewertet, die zum Teil gemeinsam, zum Teil getrennt aufgewachsen waren. Fazit der Studie: Etwa zur Hälfte wird unser Lebensglück von den Genen bestimmt, zur Hälfte von äußeren Umständen. Menschen mit Talent zum Glücklichsein verfügen über einige wesentliche Charaktereigenschaften: Sie besitzen ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl und sind optimistisch. Glückliche Menschen fühlen sich nicht als Opfer, nicht äußeren Umständen ausgeliefert, sondern glauben, dass sie ihr Leben selbst gestalten können. Sie sind extrovertiert und kontaktfreudig.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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