Psychologie

So wehren Sie sich gegen dumme Sprüche

Wünschen Sie sich auch manchmal schlagfertiger zu reagieren? Fünf Strategien, mit denen Ihnen das öfter gelingt "Die Idee ist langweilig – die ist doch bestimmt von Ihnen!" – kommen Ihnen solche Sprüche bekannt vor? Sicher kennen Sie noch üblere verbale Seitenhiebe. "Was meinen Sie genau mit langweilig?", hätten Sie kontern können: Schade nur, dass Ihnen das in dem Moment nicht eingefallen ist.

Reagieren, ohne zu explodieren

Schlagfertigkeit lässt sich verbessern, indem Sie einige mündliche Judogriffe üben. Lernen Sie sich zu verteidigen, ohne giftig zu werden und ohne sich zu rechtfertigen. Mit ein wenig Training kann Sie dann bald keiner mehr so schnell verunsichern und wütend machen. "Es kommt darauf an, dass Sie sich aktiv erleben", sagt die Kommunikationstrainerin Barbara Berckhan aus Pinneberg bei Hamburg. "Solange Sie bestimmen, was passiert, haben Sie sogar Spaß dabei."

Finden Sie Ihre persönliche Strategie

Weil jeder Mensch anders ist, hat Trainerin Berckhan verschiedene Möglichkeiten parat, wie Sie dummen Sprüchen locker Paroli bieten können. Alle Taktiken haben ein Ziel: dass sie uns heil und gut gelaunt aus provozierenden Situationen lotsen. Denken Sie daran: Sie bestimmen, wann Sie kämpfen wollen, worauf Sie sich einlassen, und worauf nicht. Picken Sie sich das heraus, was zu Ihnen passt. Sie können unterschiedliche Strategien mitunter auch kombinieren.

Seien Sie selbstbewusst: Die Haltung macht‘s

Ihre Basis ist eine selbstbewusste Ausstrahlung. Beobachten Sie sich in Gesprächssituationen: Stehen Sie gerade? Haben Sie hängende oder nach oben gezogene Schultern? Wie viel Platz nehmen Sie ein? Dominante Personen machen meist ausladende Bewegungen, unsichere neigen zu einer engen Körperhaltung, mit dicht am Körper anliegenden Armen. Nehmen Sie eine "königliche" Haltung ein: Die Schultern sind dabei breit und unten.

Halten Sie stetig Blickkontakt mit Ihrem Gegenüber – ohne ihn jedoch anzustarren. Üben Sie die Körperhaltung ein, die Sie sich wünschen. Am besten probieren Sie das daheim vor dem Spiegel aus. Sobald Sie durch Ihre Körperhaltung Selbstbewusstsein ausstrahlen, wird Ihr Gegenüber vorsichtiger.

Legen Sie sich eine Schutzglocke zu

Dumme Sprüche überrumpeln meistens. Rechtfertigen bringt jetzt nichts. Atmen Sie tief ein und wieder aus. Stellen Sie sich vor, dass Sie eine dicke Schutzglocke umgibt, die die Stimme des anderen dämpft. Sie hören und sehen zwar alles deutlich, fühlen sich aber nicht wirklich betroffen. Sie merken sofort, dass Sie gelassener und sachlicher werden.

Halten Sie dem Angreifer einen Spiegel vor

Hören Sie weniger auf die Worte Ihres Gegenüber, wenn er z.B. sagt "Das ist doch völliger Blödsinn, was Sie da sagen." Achten Sie vielmehr darauf, welche Emotionen er in dem Moment preisgibt. Er ist wütend und verärgert, weil er ein Problem hat – kein Grund für Sie, diese Stimmung zu übernehmen.

Vielmehr können Sie ihm seinen Zustand beschreiben, etwa mit dem Satz "Sie sind im Augenblick sehr verärgert..." Damit zeigen Sie, dass Sie alles, was er gesagt hat, seinem Ärger zuschreiben. Er sieht sich gespiegelt und wird normalerweise versuchen, als nächstes sachlicher zu argumentieren.

Lassen Sie den anderen ins Leere laufen

Ihr Kollege lässt vor einer Besprechung einen Testballon steigen, etwa so: "Manche kriegen ihr Geld hier offensichtlich für ihr gutes Aussehen." Sie haben nun mehrere Möglichkeiten, ihm sein Erfolgserlebnis zu verderben: Sie können seine spitze Zunge einfach überhören: Keine Antwort kann ein Zeichen von Souveränität sein. Sie können Ihren Gesprächspartner auch neugierig betrachten, wie ein exotisches Wesen. Lächeln Sie gerne, dann kann Ihnen ein wissendes Lächeln ein wenig Zeit zum Nachdenken einbringen. Eine weitere Idee: Schreiben Sie die dumme Bemerkung Ihres Kollegen auf – ohne dazu noch etwas zu erklären. Ihr Widersacher wird irritiert sein.

Ziehen Sie unsachlicher Kritik den Giftstachel

Herabsetzende Worte wie "Ihr Konzept ist banal" verletzen. Fragen Sie in einem solchen Fall nach: "Was meinen Sie mit banal?" Der andere ist nun im Erklärungszwang. Wer fragt, der führt. Außerdem geben Sie Ihrem Gegenüber so die Gelegenheit, doch noch sachlich zu werden. Und Sie selbst gewinnen Zeit, um zu überlegen, was eigentlich los ist, und wie Sie reagieren möchten.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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