Autismus

Wahrscheinlich Folge einer Autoimmunerkrankung

Eine Form des Autismus soll US-Wissenschaftlern zufolge auf eine Autoimmunerkrankung des Darms zurückgehen. Hoffnungsvolle Ansätze lassen darauf schließen, dass die Krankheit bald zumindest im Anfangsstadium zu behandeln ist.

Wahrscheinlich hängt Autismus mit einer Autoimmunerkrankung des Darms zusammen. Diesen Schluss lassen Studienergebnisse einer englischen Forschergruppe zu, die eine häufig auftretende Darmerkrankung bei autistischen Kindern untersuchte. Das Team veröffentlichte seine Ergebnisse in der Fachzeitschrift Molecular Psychiatry (2002, Vol. 7, No. 4 pp.329-329).

Eine andere Arbeitsgruppe von der Royal Free & University College Medical School untersuchte eine neuartige entzündliche Darmkrankheit bei Kindern mit Asperger-Syndrom (autistische Persönlichkeitsstörung, die häufig auf Therapien anspricht). Die betroffenen Kinder wiesen spezifische Antikörper gegen körpereigene Zellen der Darmschleimhaut auf, ein klarer Hinweis auf eine Autoimmunerkrankung. Auffällig waren zudem eine erhöhte Anzahl von T-Zellen in der entzündeten Darmwand und die überdurchschnittliche Zellteilungsrate in der Darmschleimhaut, vor allem des Dickdarms. Nicht-autistische Kinder zeigten kein ähnliches Muster an Symptomen, weder geistig zurückgebliebene Kinder noch Kinder mit der entzündlichen Darmerkrankung Zöliakie.

Eine dritte Forschergruppe erzielte deutliche Fortschritte bei den geistigen Fähigkeiten einiger autistischer Kinder, nachdem sie deren Darmentzündung erfolgreich behandelt hatte. Nun arbeiten in den USA einige Dutzend Arbeitsgruppen fieberhaft daran, den ursächlichen Zusammenhang zwischen der Autoimmunantwort und der Krankheit Autismus aufzuklären, um so die Krankheit in frühem Stadium einmal behandeln zu können. Insbesondere Kinder mit Asperger-Syndrom könnten profitieren, denn bei dieser milden Form setzen die autistischen Symptome erst im zweiten bis dritten Lebensjahr ein.

Unabhängig von den ermutigenden Ergebnissen streiten die Forscher seit vielen Jahren darüber, ob Autismus eine eigenständige Krankheit oder das Resultat einer Kettenreaktion verschiedener krankhafter Veränderungen ist. Ebenso ungeklärt bleibt der Anteil genetischer und umweltbedingter Einflüsse auf den Autismus. Allein in Kalifornien ist die Zahl der Autisten innerhalb der letzen 15 Jahre von 4.000 Betroffenen 1987 auf derzeit 18.000 gestiegen.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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