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Krebs und Lebensstil Warum US-Japanerinnen häufiger an Brustkrebs erkranken Obwohl Asiatinnen im allgemeinen ein geringeres Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken, zeichnet sich in den USA seit Beginn der Neunziger Jahre eine dramatische Entwicklung ab Aus Asien stammende Amerikanerinnen bekommen viel häufiger Brustkrebs als früher, so das Los Angeles Cancer Surveillance Program (CSP). Auch in Japan hat sich die Zahl der Brustkrebsfälle seit den Sechziger Jahren bis zum Ender der Achtziger verdoppelt. Schuld daran ist wahrscheinlich der immer westlicher werdende Lebensstil: Die Frauen bekommen weniger Kinder, bewegen sich weniger und haben häufiger Übergewicht. Allgemein essen die Japaner mehr Fett und immer weniger Soja-Produkte. Der höchste Brustkrebs-Anstieg gerade bei den US-Japanerinnen erklärt sich für die Autoren der Studie dadurch, dass die Japanerinnen am längsten in den USA leben und den entsprechenden Lebensstil am ehesten übernommen haben. Denn vor allem bei aus Japan stammende Amerikanerinnen sind die Erkrankungsraten dramatisch angestiegen, belegte kürzlich eine Veröffentlichung des International Journal of Cancer. Im Los Angeles County, der ethisch vielfältigsten Region der USA, unterscheiden sich die Brustkrebsraten nicht mehr von denen aus der übrigen Nation. Bei den über 50 Jahre alten Asiatinnen stieg die jährliche Brustkrebsrate in einem 5-Jahres-Zeitraum um 6,3 Prozent an, bei den Spanierinnen waren es im gleichen Zeitraum nur 1,5 Prozent. "Asiatisch-stämmige Amerikanerinnen hatten in der Vergangenheit die niedrigsten Brustkrebsraten. Das ist jedoch nicht länger der Fall", sagte Dennis Deapen, Professor für Präventiv-Medizin and Leiter des CSP. "Setzt sich der Trend fort, dann erkranken in Los Angeles County mehr aus Japan stammende Frauen an Brustkrebs als spanisch-stämmige Amerikanerinnen, die sonst immer die höchsten Raten aufwiesen." Die Ergebnisse hätten auch ihr Gutes, so Deapen: Sie zeigten, wie abhängig die Krankheit von Umweltfaktoren wie Ernährung und Bewegung sei. Unter US-Japanerinnen und Filipinas leiden mit 114 bzw. 98 Frauen pro 100.000 Einwohnerinnen etwa doppelt so viel Menschen an Brustkrebs wie unter den Koreanerinnen (45/100.00 Einwohnerinnen) und Chinesinnen (51/100.00 Einwohnerinnen). Nur bei den Chinesinnen kam es zwischen 1993 und 1997 nicht zu einem Anstieg der Erkrankungsfälle. "Die Brustkrebsrate unter den Japanerinnen in Los Angeles ist die am schnellsten steigende der Welt," setzte Deapen hinzu. Deapen und seine Kollegen wollen mit ihrer Studie bei den Frauen aber auch bei den Medizinern das Bewusstsein für das steigende Risiko wecken. Hier gäbe es ausreichend Potenzial, das Risiko durch eine veränderte Lebensführung wieder zu senken.
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