Intelligenz-Forschung

Sind Frauen schlauer als Männer?

Frauen wollen kluge Kerle und hängen die Messlatte hoch, denn sie sind intelligenter als Männer. Warum das so ist, sagt der Humangenetiker Prof. Dr. Horst Hameister von der Uni Ulm.

Pfauenweibchen bevorzugen das Männchen mit den prächtigsten Schwanzfedern ...

Das kann man so sagen.

...und Frauen bevorzugen als Partner intelligente Männer?

Ja. Die intellektuellen Fähigkeiten eines Mannes sind ausschlaggebend bei der Partnerwahl. In der Natur wählen sich seit jeher die Weibchen den Partner. Und auch beim Menschen ist das so: Die Frau entscheidet, wem sie die Fortpflanzung ermöglicht.

Dumme Männer gehen also leer aus?

Ihre Chancen stehen zumindest schlechter als die der intelligenteren Geschlechtsgenossen.

Woraus setzt sich Intelligenz eigentlich zusammen?

Aus genetischer Sicht ist Intelligenz ein komplexes Merkmal. Sie besteht aus vielen genetischen und vielen nichtgenetischen, äußeren Faktoren. Inzwischen wissen wir, dass etwa 60 Prozent der menschlichen Gene für Gehirnfunktionen notwendig sind. Viele dieser intelligenzrelevanten Gene befinden sich auf dem weiblichen X-Chromosom. Von dem hat die Frau zwei und der Mann nur eins.

Also ist eine Frau doppelt so intelligent wie ein Mann?

Nein. So einfach ist das nicht. Die Frau hat durch ihr zweites X-Chromosom nur bessere Möglichkeiten, zum Beispiel genetische Mutationen auszugleichen. Die Auswirkung dieses Unterschiedes wird deutlich, wenn wir uns vor Augen führen, dass genetisch bedingte geistige Behinderungen überwiegend bei Männern auftreten.

Und wie ist der Intelligenzunterschied zwischen Mann und Frau zu verstehen?

Man muss sich das so vorstellen: Da der Mann nur über ein X-Chromosom verfügt, hängt es bei ihm in viel stärkerem Maße davon ab, wie günstig die Intelligenzgene auf diesem einen Chromosom verteilt sind. Untersuchungen mit Jungen und Mädchen haben ergeben, dass es mehr hoch-, aber auch mehr minderbegabte Jungen gibt. Die Intelligenz der Mädchen hingegen ist gleichmäßiger verteilt. Fazit: Im Durchschnitt sind Mädchen intelligenter als Jungen – weshalb auch mehr Mädchen erfolgreich das Abitur abschließen.

Und damit eine Frau noch intelligentere Nachkommen zur Welt bringt, präferiert sie einen intelligenten Mann?

Nun ja – wenn ein Mann besonders intelligent ist, signalisiert er damit zumindest, dass ein großer Teil seiner Gene in einer günstigen Kombination vorliegt. Seine Gehirnfunktionen dienen sozusagen als Schaufenster für die weibliche Welt, der er sich als potentieller Fortpflanzungspartner präsentieren und empfehlen muss.

Ein ziemlicher Leistungsdruck, der auf den Männern lastet, oder?

Man muss feststellen: Die Männer tragen die Last der menschlichen Evolution. Sie haben das deutlich höhere Risiko, weniger leistungsfähig zu sein. Ein Trost bleibt ihnen aber: Wer als Mann eine besonders günstige Genkombination auf dem X-Chromosom ererbt, kann einen überdurchschnittlichen IQ erlangen.

Der Vorteil des weiblichen Geschlechts mit seinen zwei einander ergänzenden Kopien des X-Chromosoms liegt dagegen in einer ausgeglicheneren Begabung für verschiedene intellektuelle Fähigkeiten.

Werden wir also immer intelligenter, weil Frauen schlaue Männer wollen und geballte Intelligenz vererben?

Ja. Zukünftige Generationen werden, gemessen an ihren Intelligenz-Werten, besser abschneiden als die heute Lebenden.

Eine Frage noch: Kann man(n) Intelligenz vortäuschen?

Tun wir das nicht alle ein bisschen? Zum Schönen und Aufregenden an der Sexualität beziehungsweise Partnerwahl gehört ja schließlich auch die Frage: Wer macht wem mehr vor?

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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