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Pflanzenarznei |
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Ein stimulierendes Team |
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Pflanzliche Mittel zur Steigerung der Abwehrkräfte beugen Infekten vor oder verkürzen zumindest deren Dauer. |
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Ein Schnupfen dauert mit Behandlung sieben Tage und ohne eine Woche: Verfechter dieser Theorie sind nicht auf dem neuesten Stand. Rechtzeitig eingenommen beugen Heilpflanzen mit abwehrsteigernder Wirkung – so genannte Immunmodulatoren – Erkältungen vor, schwächen den Krankheitsprozess ab und verkürzen seine Dauer. Der schwedische Arzt Dr. Olav Hoheisel demonstrierte dies an 120 Mitarbeitern einer Möbelfabrik: Wer bei den ersten Erkältungszeichen ein Präparat aus dem Kraut des purpurfarbenen Sonnenhuts einnahm, hatte seine Erkältung im Schnitt nach vier Tagen überstanden. Die unbehandelte Vergleichsgruppe brauchte mit acht Tagen doppelt so lange. |
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Roter Sonnenhut. |
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Dass der attraktive Korbblütler der körpereigenen Abwehr gehörig auf die Sprünge hilft, gilt inzwischen als wissenschaftlich belegt: In Labor- und Tierversuchen steigert Echinacea purpurea – so der lateinische Name – die Produktion immunstimulierender Botenstoffe und die Aktivität der Fresszellen. Diese weißen Blutkörperchen vernichten im Blut zirkulierende Krankheitserreger. Sonnenhutextrakte eignen sich zur unterstützenden Behandlung ständig wiederkehrender Infekte der Atem- und Harnwege. |
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Gesamtextrakt. |
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Neben dem purpurfarbenen werden auch der blassfarbene und der schmalblättrige Sonnenhut arzneilich genutzt. Bei den beiden letzten verarbeiten Arzneimittelhersteller vor allem die Wurzeln, beim purpurfarbenen Sonnenhut hingegen Wurzel und oberirdische Pflanzenteile. Unklar ist jedoch, welchen Inhaltsstoffen die Heilpflanze ihre Wirksamkeit zu verdanken hat. Beteiligt sind nach den vorliegenden Erkenntnissen Kaffeesäure-Abkömmlinge, Polysaccharide, Alkamide und Zucker-Eiweiß-Verbindungen. Da vermutlich noch mehr Substanzen dazu beitragen, verwenden Pharmazeuten nicht die isolierten Wirkstoffe, sondern den gesamten Extrakt. |
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Starke Partner. |
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Nicht minder bewährt haben sich Präparate, die neben Sonnenhut noch andere abwehrsteigernde Heilpflanzen enthalten, etwa Lebensbaum (Thuja occidentalis), wilder Indigo (Baptisia tinctoria) und Wasserdost (Eupatorium perfoliatum). Zusammen mit Thuja und wildem Indigo hilft Sonnenhut bei akuten und chronischen Atemwegsinfekten, Lippenherpes und Infektanfälligkeit. Wie Untersuchungen ergaben, erholen sich Patienten selbst bei schweren bakteriellen Infektionen der Atemwege schneller, wenn sie zusätzlich zu einem geeigneten Antibiotikum ein Immunstimulans mit der pflanzlichen Dreierkombination einnehmen. |
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Thuja und Indigo. |
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Der Lebensbaum wächst in unseren Breitengraden häufig als immergrünes Ziergehölz. Zur Herstellung von Arzneimitteln dienen die frischen oder getrockneten Zweigspitzen ein- und zweijähriger Pflanzen. Ihr Extrakt enthält neben immunologisch aktiven Stoffen auch Substanzen, die direkt gegen Viren wirken. Die Inhaltsstoffe aus der Wurzel des wilden Indigos aktivieren die Fresszellen des Immunsystems und fördern die Bildung von Antikörpern sowie anderen Immunstoffen. |
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Intervall-Therapie. |
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Um das Immunsystem nicht zu überfordern, sollten pflanzliche Immunmodulatoren nicht länger als acht Wochen eingenommen werden. Manche Ärzte empfehlen eine Intervall-Therapie – zehn Tage Einnahme, vier Tage Pause, im Wechsel vier bis acht Wochen lang. Da Echinacea die Wundheilung verzögern kann, ist es ratsam, die immunstimulierende Pflanzenarznei einige Wochen vor einer geplanten Operation abzusetzen. Patienten mit Korbblütler-Allergie oder Autoimmunerkrankungen wie Rheuma sollten ganz auf die Einnahme verzichten. |
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