Schmerz im Knie

Unser größtes Gelenk ist ein Wunderwerk der Natur. Doch wie alle Hochleistungssysteme ist auch das Knie anfällig für Schädigungen aller Art. Das bekommen Millionen Menschen täglich zu spüren.

Kniegelenke aus Stahl und Titan setzen deutsche Orthopäden 15.000 Mal pro Jahr ein. Zwar sind die Kunstgelenke immer besser geworden, aber sie sind noch immer kein vollwertiger Ersatz für ein gesundes Knie. "Die Knieprothese ist immer nur der letzte Ausweg, wenn eine Arthrose das Gelenk völlig zerstört hat. Knieprothesen sind weniger belastbar und auch nicht so beweglich wie das eigene gesunde Gelenk", sagt Dr. Manfred Dingerkus, Oberarzt an der Klinik für Orthopädie und Sportorthopädie der TU München. Er empfiehlt, Schmerzen im Knie stets vom Arzt abklären zu lassen. Denn es können Erkrankungen dahinter stecken, die es auf Dauer schädigen können.

Wie Knieschmerzen entstehen und was Sie selbst tun können:

Knorpelverschleiß

Die Ursache: Knorpelverschleiß (Arthrose) im Gelenk ist bei Menschen über 40 die Hauptursache der Beschwerden. Eine genetische Veranlagung, Überlastung im Sport oder Beruf, aber auch Übergewicht können dazu führen. Was hilft? Bewegen Sie sich ausgiebig, achten Sie aber darauf, dass das Knie keine starken Stöße abbekommt. Günstig sind deshalb Sportarten wie Kraulschwimmen, Wandern und Radfahren in der Ebene. Ballsportarten sowie alle Aktivitäten mit abrupten Bewegungen und schnellen Richtungswechseln sind wegen der plötzlichen Krafteinwirkung nur etwas für Menschen mit gesundem Knie. Zu den knieschädlichen Sportarten gehören zum Beispiel auch Squash und Tennis.

Meniskusschäden

Die Ursache: Zwei halbmondförmige Knorpelscheiben, die Menisken, fungieren als Stoßdämpfer für das Kniegelenk. Gewalteinwirkung oder jahrelange Überlastung können diese Puffer schädigen. Betroffene klagen meist über Schmerzen in Höhe des Kniegelenkspalts. Strecken, Beugen oder Drehen des Knies verstärkt den Schmerz. Was hilft? Ist der Meniskus eingerissen, wird der Arzt eine Operation empfehlen, sonst erhöht der Meniskusschaden das Risiko einer Arthrose.

Gelenkentzündungen

Die Ursache: Geschwollene Gelenke, Schmerzen und Gelenksteife vor allem am Morgen sind Hinweise auf eine Gelenkentzündung. Die schwerste Form ist die chronische Polyarthritis. Die Ursache der Erkrankung ist nicht restlos geklärt. Wahrscheinlich greift das körpereigene Abwehrsystem die Gelenkinnenhaut an. Die Möglichkeiten der Selbsthilfe sind begrenzt. Auf jeden Fall muss der Arzt die Therapie leiten. Was hilft? Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente lindern akute Beschwerden. Andere Wirkstoffe, die als Dauertherapie gegeben werden, verringern die Entzündungsaktivität. Richtige Lebensweise bessert den Behandlungserfolg. Wichtig ist, dass der Patient in Bewegung bleibt. Bei Gelenkveränderungen hilft Krankengymnastik.

Instabile Bänder

Die Ursache: Innen- und Außenbänder sowie die beiden Kreuzbänder geben dem Knie Halt. Durch eine Sportverletzung oder chronische Überlastung, aber auch durch ständige Unterforderung können die Bänder instabil werden. Der Grund: Bewegungsmangel lässt die Muskulatur des Oberschenkels verkümmern, die den Bandapparat unterstützt. Instabile Bänder sind nicht zu unterschätzen. Schäden an den Bändern verändern die Kraftübertragung im Gelenk. Weniger belastbare Punkte im Knorpel bekommen plötzlich die Hauptlast ab. Das kann eine Arthrose beschleunigen. Was hilft? Kräftigen Sie die Oberschenkelmuskulatur, so dass sie die Haltefunktion des Bandapparates unterstützen kann. Dazu können sie Rad fahren oder in ein Fitnessstudio gehen. Wenn eine Instabilität besteht, sollten Sie eine Bandage tragen, die die Bewegungen des Knies führt und knieschädliche Bewegungen verhindert.

X- und O-Beine

Die Ursache: "Krumme Beine bei Erwachsenen sind keine Bagatelle", warnt Professor Joachim Grifka, Chefarzt der orthopädischen Universitätsklinik Regensburg. Das Knie ist so konstruiert, dass es einwirkende Kräfte in seiner Mitte am besten verträgt. Bei X- oder O-Beinen wirkt die meiste Kraft auf die Innen- oder Außenseite des Knies ein. Der Knorpel nutzt sich einseitig ab, das Bein wird noch krummer, was die Abnutzung verstärkt. Was hilft? Das Gegenprogramm hängt ab vom Ausmaß der Fehlstellung und vom Alter des Patienten. Ist das Bein nicht gerade, reagiert das Knie empfindlicher auf Belastungen. Fersenpolster und spezielle Schuhe mit gepufferten Absätzen entlasten das Bein. In extremen Fällen kann eine Operation nötig sein. Bei Heranwachsenden ist das einseitige Klammern der Wachstumsfuge im Unterschenkel eine Option. Bei jungen Erwachsenen entfernt der Arzt ein keilförmiges Knochenstück aus dem Schienbein. Beim älteren Patienten ist das Verfahren nicht sinnvoll, weil der Knochen zu langsam heilt. Hier rät Grifka zu einem Ersatz der Gelenkoberfläche, der die Fehlstellung ausgleicht.

Kniescheibenprobleme

Die Ursache: Wenn die Führung der Kniescheibe aufgrund der Veranlagung nicht richtig liegt, kann das zu Schmerzen bei Belastung führen. Vor allem junge, sportliche Menschen leiden oft unter Schmerzen, die von der Kniescheibe herrühren. Was hilft? Bei der Untersuchung stellt der Arzt fest, wie weit die Kniescheibe neben der Spur liegt. In leichten Fällen helfen funktionelle Bandagen, die der Kniescheibe zusätzlich Führung geben. In schweren Fällen kann eine korrigierende Operation nötig sein.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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