Schutzimpfungen

Infoseite für Eltern

Hierzulande sind Eltern nicht gesetzlich verpflichtet, ihr Kind gegen Infektionskrankheiten impfen zu lassen. Auf sich gestellte Eltern bemühen sich häufig vergeblich um Aufklärung und Entscheidungshilfen – eine neue Website soll ihnen jetzt genau das bieten.

Sie ist längst überfällig: Die laienverständliche Information über Nutzen und Risiken der Schutzimpfungen. Da, wo die politisch verantwortlichen Länder ihre Aufklärungspflicht lediglich mit allgemein gehaltenen Faltblättern erfüllt sehen, erhalten ratsuchende Eltern schneller Tipps von passionierten Impfgegnern als von aufgeklärten Medizinern. Die Folge: Mittelalterlich wirkende Sagen und Mythen beherrschen beim Thema Schutzimpfungen die Internet-Szene – wo bleibt die Stimme der Vernunft?

Endlich: Empfehlungen der Experten verständlich im Netz

Auf der Seite www.gesundes-kind.de haben es sich zwei Mitglieder der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Aufgabe gemacht, Eltern kompetent und verständlich über Impfungen zu informieren. Dr.med.Heinz-Josef Schmitt, Professor für Infektiologie, Epidemiologie und Impfstoffentwicklung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und sein Kollege, Prof.Dr.med.Fred Zepp von der Kinderklink, gehören seit vielen Jahren zu den 16 Experten, die am Robert Koch Institut jährlich darüber entscheiden, welche Schutzimpfungen zu welchem Zeitpunkt öffentlich empfohlen werden. Damit ist endlich eine Anlaufstelle im Internet geschaffen worden, wo Eltern und Experten direkt miteinander über Impfungen kommunizieren können.

Was Eltern wissen sollten

"Kinderkrankheiten", wettert Professor Dr.Schmitt bei der Auftaktveranstaltung von www.gesundes-kind.de in München, "heißen nicht so, weil sie harmlos sind, sondern weil früher viele Kinder an diesen Krankheiten gestorben sind!" Obwohl er die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen für oder gegen das Impfen ganz klar befürwortet, kämpft er als Mediziner seit Jahren gegen die Folgen der verbreiteten Impfmüdigkeit. "Hierzulande sterben Kinder noch an Masern," betont er. "Das gibt es nicht einmal mehr in Mexiko. In internationalen Expertenkreisen für Infektionskrankheiten gilt Deutschland als Entwicklungsland. Wir haben das Image eines kinderfeindlichen Landes nicht, weil wir zu wenig Spielplätze haben, sondern weil wir Kinder vor Behinderung und sogar Tod nicht schützen!"

Nur die Impfstoffhersteller zahlen!

Es klingt absurd: Obwohl Schutzimpfungen anerkanntermaßen die wirksamste Gesundheitsvorsorge darstellen, fand sich lange kein Sponsor, der für laienverständliche Aufklärung zu zahlen bereit war. Glaxo SmithKline, weltweiter Pharmakonzern und Impfstoffhersteller, hat nun die Finanzierung von www.gesundes-kind.de übernommen. Ein Problem für die Experten? "Nein!" behaupten Professor Dr. Schmitt und Dr. Harald Spangenberg von Glaxo SmithKline im Chor. Der Vertreter des Pharmariesen versichert, die redaktionellen Inhalte seien einzig Sache der genannten STIKO-Experten und Prof.Dr. Schmitt verspricht, eine Beeinflussung werde es nicht geben. Glaxo SmithKline bleibt dezent im Hintergrund, auf der Seite ist keine Werbung zu entdecken.

Überall gibt es Foren – warum nicht auf www.gesundes-kind.de?

Noch bewegen sich die Experten ungewohnt auf dem neuen Parkett Internet. Was überall zur Selbstverständlichkeit geworden ist – die Kommunikation über Foren – sucht man bislang vergeblich auf www.gesundes-kind.de. Es gibt zwar in der Impfsprechstunde die Möglichkeit, Fragen an die Experten zu stellen, aber zu einem direkten Schlagabtausch im Forum oder Chat konnte sich noch niemand durchringen. Dafür sind die Informationen und Erklärungen auf der Seite wirklich gut zu verstehen, ein enormer Fortschritt, verglichen mit den für Fachleute abgefassten Textkolonnen auf der Seite des RKI.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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