Orthopädie

Zuckerwasser schneidet Knochen noch präziser

Zuckerwasser unter Hochdruck soll die Knochensäge ersetzen. Können Ärzte damit künstliche Gelenke noch exakter einpflanzen?

Es ist ein alter Traum der Ärzte: Gewebe schneiden, ohne ein Skalpell anzusetzen. Laserstrahlen und Hochdruck-Wasserstrahlen haben das in den vergangenen Jahren bei immer mehr operativen Eingriffen möglich gemacht. Ausgeschlossen schien der Schnitt ohne Metall-Instrumente aber bislang für Knochenoperationen zu sein – etwa das Einsetzen einer Gelenkprothese. Das Knochen-Gewebe ist einfach zu hart.

Forscher der Universität Hannover und der Medizinischen Hochschule Hannover rüsten das Wasserstrahlskalpell jetzt zur Knochensäge auf – indem sie dem Wasser Zucker zusetzen. "Wir nutzen die Zuckerkristalle als Schleifmittel", erläutert Ingenieur Frank Pude. Der Zuckerstrahl (Tempo: bis zu 900 Stundenkilometer) ist hochpräzise – sein Durchmesser beträgt nur einen Millimeter. Außerdem sind die Rückschlagkräfte, die bei der Knochenbearbeitung auf das Schneide-gerät ausgeübt werden, geringer als bei einer klassischen Knochensäge. "Das könnte den Einsatz von Operations-Robotern erleichtern. Künstliche Gelenke könnten so passgenauer eingesetzt werden", hofft Dr. Stefan Schmolke, Orthopäde an der Medizinischen Hochschule Hannover. Der Nachteil: Tritt der Zuckerwasserstrahl wieder aus dem Knochen, kommt es zu Schäden am benachbarten Gewebe. Daher arbeiten die Forscher derzeit noch an Schutzmechanismen.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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