Unfruchtbarkeit

 

"Unfruchtbare" Männer sind häufig zeugungsfähig

US-Forscher zeigten, dass die Kriterien, nach denen Ärzte die Fruchtbarkeit eines Mannes beurteilen, dringend einer Überarbeitung bedürfen.

Um ein Kind zu zeugen, reicht es, wenn ein einziges Spermium in die Eizelle eindringt. Trotzdem galt bislang ein Mann als unfruchtbar, wenn er in einem Milliliter seiner Samenflüssigkeit nicht wenigstens 20 Millionen Spermien aufweisen konnte. Nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation sollte von diesen zudem mindestens die Hälfte beweglich sein.

Neue Untersuchungen eines US-Forscherteams zeigen nun, dass die derzeit gültigen Kriterien, nach denen Ärzte die Fruchtbarkeit eines Mannes ermessen, dringend einer Überarbeitung bedürfen. Auch Männer, in deren Ejakulat sich weniger Spermien tummeln, können auf natürlichem Wege Vater werden, berichten die Mediziner im Fachmagazin "New England Journal of Medicine". In ihrer Studie hatten die Ärzte die Spermien von fast 1500 Vätern sowie kinderlosen Männern untersucht. Nach den Ergebnissen darf ein Mann erst dann als "vermindert fruchtbar" eingestuft werden, wenn sich weniger als 13,5 Millionen Spermien in einem Milliliter Flüssigkeit zählen lassen oder mehr als zwei Drittel davon unbeweglich sind. Wichtiger als die Zahl und Beweglichkeit sei die Form, berichten die Forscher: An diesem Merkmal lässt sich am ehesten erkennen, wie zeugungsfähig ein Mann ist. Für relativ gute Fortpflanzungschancen sollte mindestens jedes zehnte Spermium das typische ovale Erscheinungsbild haben.

Trotz dieser neuen Richtlinien betonen die Forscher, dass keines der Kriterien die eindeutige Diagnose "unfruchtbar" zulässt. Schließlich macht auch ein einziges gesundes Spermium den Mann zum Vater.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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