Sport im Alter

Mit 80 Jahren über den Golf-Platz

Golf, Triathlon, Akrobatik und Squash werden bei Senioren immer beliebter. Der Grund: Sport im Alter macht Spaß, steigert die Lebenserwartung und macht selbstbewusst.

Erinnern Sie sich? Knapp ein Jahr ist es her, als der aktive Fußball-Senior Kurt Meyer mit 80 Jahren Torschütze des Monats beim ARD-Sportstudio wurde. Sein Tor wurde zum Tor des Jahres 2001- Eine Leistung, die der damalige DFB-Pressesprecher Klaus Kolzenburg mit ,,einfach toll" kommentierte. ,,Ich wüsste nicht, warum der DFB Kurt Meyer nicht mit einer Verdienstmedaille auszeichnen sollte."

Eine Verdienstmedaille muss es natürlich nicht gleich sein. Trotzdem lohnt es sich, auch im hohen Alter aktiv Sport zu betreiben. Sport steigert nicht nur die Lebenserwartung, er fördert z.B. auch das Sozialleben. Das wissen immer mehr Senioren, wie die Zahlen zeigen. Der Deutsche Sportbund (DSB) registrierte vom Jahr 1999 auf das Jahr 2000 einen Zuwachs an alten Menschen in den Sportvereinen von 8,1 Prozent. Insgesamt waren in den Landessportbünden rund 2,55 Millionen Mitglieder über 60, zehn Jahre zuvor waren es nur 1,34 Millionen. Besonders beliebt ist bei den Senioren nach Untersuchungen des DSB Golf, aber auch Triathlon, Akrobatik und Squash. Bei diesen Sportarten werden Zuwächse von rund 50 Prozent verzeichnet.

Etwa fünf Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland treibt nach Schätzung des Sportmediziners Professor Klaus Bös von der Universität Karlsruhe regelmäßig Sport. «Wenn man alte Menschen fragt, 'Treiben sie Sport?', antwortet ein Drittel mit 'ja'. Wirklich wöchentlich mindestens zwei Stunden trainieren aber nur die wenigsten», fand Bös heraus.

Regelmäßige körperliche Aktivität könne das Altern zwar nicht verhindern, aber deutlich verzögern, erklärt der Leiter des Institutes für Sportmedizin der Universität des Saarlandes, Professor Wilfried Kindermann: «Mit Ausdauertraining kann altersbedingten Verlusten der Leistungsfähigkeit von Organsystemen wie Herz, Stoffwechsel oder Muskulatur entgegengewirkt werden.» Wer auch im hohen Alter regelmäßig Sport treibe, habe eine deutlich höhere Lebenserwartung. «Es ist nachgewiesen, dass der Körper bis zum Alter von über 80 Jahren trainierbar bleibt.»

Nach Ansicht von Kindermann ist es deshalb nie zu spät, mit sportlichen Aktivitäten zu beginnen. Am besten für das Herz-Kreislaufsystem seien Dauerlauf, Radfahren oder Schwimmen. Wer im hohen Alter mit dem Sport beginne, solle sich aber auf jeden Fall zunächst untersuchen lassen, rät er. «Mit zunehmenden Alter wächst das Risiko an unerkannten Krankheiten besonders im Herz-Kreislauf- Bereich, die sich beim Sport negativ auswirken könnten.» Vor allem an die Muskelkraft müsse gedacht werden, sagt Kindermann: «Was nützt ein starker Motor, wenn die Karosserie klappert oder auseinander fällt?»

Alte Menschen profitieren nach Ansicht von Professor Bös aber nicht nur körperlich vom Sport. Viel wichtiger seien oft die psychischen und sozialen Auswirkungen. Die Senioren fühlten sich selbstbewusster und glaubten mehr an ihre eigene Kompetenz. «Sie haben viel eher das Gefühl, ihr Leben selbst in der Hand zu haben.» Daneben eröffnet der Sport Möglichkeiten zu sozialen Kontakten. «Wer mit anderen Sport treibt, nimmt am gesellschaftlichen Leben teil.» Wer sich im Alter fit halte, bewältige auch Alltagssituationen besser, «und wenn man nur einen Einkaufskorb eine Treppe hinauftragen muss.»

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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