Weißdorn

Die Pflanze für ein starkes Herz

In naher Zukunft wird Weißdorn seinen festen Platz in der Behandlung der Herzschwäche haben. Studien zeigen, dass die Pflanze mehr kann, als alte Herzen leistungsfähig zu halten.

Weißdorn tut dem Herzen gut. Was bisher nur durch kleine Studien belegt war, hat sich nun in einer großen Untersuchung mit mehr als 1000 Patienten bestätigt. Nach 24 Wochen zeigte sich, dass Weißdornextrakt Blutdruck und Herzfrequenz sinken ließ und die Belastungsfähigkeit der Patienten – gemessen auf dem Standfahrrad – deutlich stieg. Bei 43 Prozent der Patienten, die zu Studienbeginn an Herzrhythmusstörungen litten, wurde der Herzschlag wieder gleichmäßig. Veröffentlicht wurde die Studie in der Zeitschrift "Herz", dem offiziellen Organ des Bundesverbandes niedergelassener Kardiologen. Daneben sind weitere Untersuchungen geplant, die prüfen sollen, ob Weißdornextrakt auch bei fortgeschrittener Herzschwäche im Stadium III helfen kann. Eine entsprechende Studie mit Weißdornextrakt hat 1999 begonnen, eine erste Auswertung zeigte ein positives Zwischenergebnis. Es ist aber noch zu früh, die Studie abschließend zu beurteilen.

Weißdorn ergänzt die Therapie

Doch ein Resultat lässt sich laut Studienautor Professor Dr. Michael Tauchert bereits jetzt feststellen: Weißdorn verträgt sich gut mit Medikamenten, die der Arzt bei Herzschwäche verordnet: Mit Digitalisglykosiden aus dem Fingerhut, die die Schlagkraft des Herzens erhöhen, ebenso wie mit wasserausschwemmenden Mitteln und ACE-Hemmern, die das Herz entlasten. Auch Betablocker, die bei Herzinsuffizienz immer mehr an Bedeutung gewinnen, vertragen sich mit der Heilpflanze. "Deshalb kann Weißdorn die Therapie unterstützen", sagt Tauchert. Eine Ergänzung der Therapie bei chronischer Herzschwäche brauchen Ärzte dringend. Denn trotz aller Fortschritte ist die chronische Herzinsuffizienz, so der Fachausdruck, noch immer eine ernste Erkrankung.

Weißdorn stärkt und schützt das Herz des älteren Menschen

Zugelassen ist Weißdorn zur Therapie der Herzinsuffizienz in den Stadien I und II. Daneben gibt es Hinweise, dass Weißdorn in Verbindung mit einer gesunden Lebensweise das Risiko verhindern kann, dass eine Herzschwäche überhaupt entsteht. Weißdorn enthält Stoffe, die das Herz jung halten: Mit zunehmendem Alter gehen Herzmuskelzellen zugrunde und werden zum Teil durch Bindegewebe ersetzt. Das macht den Herzmuskel weniger elastisch, und er kann bei plötzlicher Belastung nicht schnell genug reagieren. Der Patient kommt bei körperlicher Anstrengung leichter aus der Puste. Weißdorn bremst genau diesen Umwandlungsprozess und hält das Herz auf diese Art länger leistungsfähig. Daneben greift Weißdornextrakt in den Stoffwechsel der Herzmuskelzelle ein und erhöht die Schlagkraft des Herzens.

Das Wirkprinzip wird noch untersucht

Welcher Inhaltsstoff für die vielfältigen Wirkungen der Pflanze verantwortlich ist, haben Wissenschaftler noch nicht mit letzter Sicherheit klären können. Eine wichtige Rolle spielen aber mit Sicherheit die Flavonoide des Weißdorns und eine Gruppe von Inhaltsstoffen, die der Fachmann als oligomere Procyanidine bezeichnet. Möglich ist aber auch, dass das Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe für die Wirksamkeit der Pflanze verantwortlich ist. "Auf jeden Fall sind alle Bemühungen, einen einzelnen Bestandteil als Hauptwirkstoff zu isolieren, bisher gescheitert", resümiert Experte Tauchert.

Im Zweifelsfall zuerst zum Arzt

Sämtliche positiven Effekte des Weißdorns stellen sich jedoch nicht von heute auf morgen ein. Für eine deutliche Wirkung empfiehlt sich daher die kurmäßige Anwendung eines Präparates, das einen genau definierten Gehalt an Weißdorn-Extrakt besitzt. Wenn bereits Beschwerden vorhanden sind, die auf eine Herzschwäche hinweisen, etwa Atemlosigkeit bei körperlicher Belastung, dann sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen, bevor Sie eine Selbstbehandlung versuchen. Denn aus mehreren Gründen muss der Arzt eine Herzschwäche behandeln, auch wenn Präparate mit Weißdorn-Extrakt ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind. Zum einen können sich auch andere Erkrankungen durch dieselben Krankheitszeichen äußern. Wenn eine Herzschwäche hinter den Beschwerden steckt, dann hat diese möglicherweise eine Ursache, die sich erfolgreich behandeln lässt, etwa einen Herzklappenfehler. Hier hilft häufig eine Operation. Und schließlich gibt es Begleiterkrankungen wie hohen Blutdruck, die das Fortschreiten der Erkrankung beschleunigen, wenn sie nicht behandelt werden.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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