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Leistenbruch |
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Stimmt es, dass man sich einen Bruch heben kann? |
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Raucher sind stärker bedroht als Gewichtheber. Aber kann es wirklich plötzlich zu einem Bruch der Bauchdecke kommen? |
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Stell das sofort wieder hin, du hebst dir ja einen Bruch!" Sicher jeder von uns wurde als Kind davon abgehalten, schwere Gegenstände durch die Gegend zu schleppen. Wir hatten keine genauen Vorstellungen, was ein Bruch ist – die Angst davor steckt uns aber auch als Erwachsene noch in den Gliedern. Zu Recht? |
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"Die Leistenbruchoperation ist mit mehr als 200.000 Fällen pro Jahr der häufigste operative Eingriff in Deutschland", sagt Oberarzt Dr. Wolfgang Reinpold vom Hernienzentrum der Chirurgischen Klinik im Krankenhaus Reinbek. "Nur eine OP kann die Gefahr einer lebensbedrohenden Einklemmung von Darmschlingen bannen." Bei einem Leistenbruch (Leistenhernie) handle es sich um eine krankhafte Lücke an der Stelle, wo beim Mann der Samenstrang, bei der Frau ein Aufhängeband der Gebärmutter durch die Bauchdecke tritt. Männer sind etwa achtmal so häufig betroffen wie Frauen. |
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"Ursache für einen Leistenbruch können angeborene und erworbene Risikofaktoren sein", erklärt Dr. Reinpold, "etwa Bindegewebs- oder Muskelschwäche, eine Dauerbehandlung mit Kortison, Chemotherapie, chronische Verstopfung oder starkes Übergewicht." Raucher seien gleich doppelt gefährdet: Rauchen schwächt das Bindegewebe, chronischer Husten kann einen Bruch forcieren. |
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"Bei einer Hernie kann das Bauchfell nebst Darmschlingen durch die Bruchlücke gleiten und unter der Haut eine Beule bilden. So ein Bruch entwickelt sich sehr langsam und entsteht praktisch nie durch einen Unfall. Das einmalige Heben einer schweren Last", so das Fazit des Oberarztes, "kann nie Ursache eines Bruches sein, auch wenn er danach erstmalig bemerkt wird." Man kann sich also keinen Bruch heben – ausgenommen nach einer entsprechenden Operation. |
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