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Zimt |
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Eine tropische Rinde betört die Welt |
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Sein aromatischer Duft weckt Erinnerungen an Glühwein und Weihnachtsgebäck. Aber auch als Heilmittel hat Zimt eine lange Tradition. |
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Eine Rinde, die nicht herb und bitter schmeckt, sondern süß und fast schon brennend würzig: Da war es für gewitzte Händler bis ins Mittelalter ein Leichtes, allerlei Mythen um das teure Gewürz zu spinnen. In einem fernen Land, so hieß es, bauten Zimtvögel große Nester aus Zimtstangen, und tollkühne Bogenschützen würden diese von hohen Bäumen herunterschießen. Kein Wunder, dass arabische Kaufleute enorme Preise für die duftige Würze erzielten, die sie von der Insel Ceylon bezogen. |
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Aromatische Borke. |
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Wahr ist immerhin, dass Zimt tatsächlich auf Bäumen wächst. Die beiden immergrünen Zimtbaum-Arten – der Ceylon-Zimtbaum ("Kaneel") und die Zimtkassie ("Chinesischer Zimt") – wachsen wild bis zu 20 Meter hoch im Süden und Südosten Asiens. Bis heute führt Sri Lanka – das frühere Ceylon – beim Export des begehrten Kaneel; Indonesien produziert die größten Mengen des chinesischen Zimts. Plantagenbesitzer halten ihre Gewächse kurz: Zimtrinde stammt von jungen Schösslingen, von denen dünne Rindenstücke abgeschält, ineinander gesteckt und getrocknet werden. Echter Ceylon-Zimt besteht nur aus der Innenrinde, chinesischer Zimt auch aus der Außenrinde. Während des Trocknens entwickeln die dünnen Rindenstangen ihre samtbraune Farbe und das charakteristische Aroma. |
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Geprüfte Qualität. |
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Als edelste Sorte gilt Ceylon-Zimt, auch "echter Kaneel" oder Malabar-Zimt genannt. In Apotheken erhalten Sie ihn in einer Arzneibuch-geprüften Qualität, in Stangen, Stücken, grobem und feinem Pulver. Billiges Zimtpulver kann auch minderwertige Sorten enthalten. Das Geheimnis des duftigen Zimtaromas haben die Chemiker längst entschlüsselt, wenn auch nicht entzaubert. Die nüchterne Analyse ergibt, dass Zimtrinde bis zu 2,5 Prozent ätherisches Öl enthält, mit den Hauptkomponenten Zimtaldehyd (65 bis 75 Prozent) und Eugenol (5 Prozent); daneben die chemisch verwandten Stoffe Zimtsäure, Zimtalkohol, dessen Azetat sowie Methoxy-Zimtaldehyd. Sie verleihen dem Zimtöl antibakterielle und pilzhemmende Eigenschaften. Der Gerbstoffgehalt hochwertiger Zimtrinde darf laut Arzneibuch zwei Prozent nicht überschreiten. Alles darüber deutet auf einen höheren Anteil an Außenrinde und somit auf mögliche Verfälschungen hin. Gerbstoffe ziehen die Schleimhäute zusammen, sie wirken "adstringierend". Pflanzen produzieren sie in höheren Konzentrationen, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Darüber hinaus enthält Zimtrinde Zuckeralkohole wie Mannit, die für den süßlichen Geschmack sorgen, sowie bis zu 3,7 Prozent Schleimstoffe, die ein geübter Zimtkoster oder ein Gourmet ebenfalls auf der Zunge spürt. |
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Betörender Duft. |
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Am Beispiel der Zimtrinde leuchtet ein, weshalb die leicht flüchtigen, ölartigen Inhaltsstoffe höherer Pflanzen "ätherische Öle" heißen. Sie sind aromatische Duft- und Geschmacksträger par excellence – aber auch flüchtig wie Äther. Bei höheren Temperaturen verdunsten sie. Deshalb sollten Sie Zimtstangen am besten in dicht schließenden Gefäßen aus getöntem Glas oder Metall lagern. Kunststoffgefäße eignen sich dagegen nicht, da ihre Innenwand die ölartigen Aromastoffe aufnimmt. Zimtrinde entfaltet ihr Aroma frisch, wenn sie bei Bedarf in einem kleinen Mörser oder einer Reibschale zerkleinert wird. In der Küche ist Zucker ein guter Kombinationspartner – für Milchreis mit Zucker und Zimt ebenso wie für Kompott, Obstsalat, Schokoladencreme und Pudding. Und in der Weihnachtszeit betört Zimt unsere Sinne in Plätzchen, Glühwein und Punsch. |
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Heilkräftige Wirkung. |
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"Zimttropfen", ätherisches Zimtöl, verwendet die Volksmedizin bei Regelschmerzen oder übermäßiger Blutungsneigung; wissenschaftlich belegt ist dies allerdings nicht. Auf jeden Fall hilft das Öl wegen seiner keimhemmenden Wirkung in Kombination mit Nelkenöl gegen Zahnschmerzen. Die moderne Medizin billigt der duftenden Rinde auch eine verdauungsfördernde Wirkung zu: Sie bescheinigt deren Nutzen bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden wie leichten Magenkrämpfen, bei Völlegefühl und Blähungen. Die Wirkung ist jedoch so moderat, dass Zimtrinde – wie viele andere Heilpflanzen – nicht allein verwendet wird, sondern in Teemischungen oder Fertigarzneimitteln. Immerhin ist das pure ätherische Zimtöl so konzentriert, dass schon wenige Tropfen eine Tagesdosis (0,05 bis 0,2 Gramm) enthalten. |
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