Zweites Kind

 

Ein kurzer Abstand fordert Nerven

Ob sie nun in der glücklichen Lage sind, den Altersabstand ihrer Kinder planen zu können oder ob sie sich in die gegebene Situation "einfinden" müssen: Es gibt für Eltern immer gute und weniger gute Seiten für den Zeitpunkt der Geburt ihres zweiten Babys.

BABYundEltern.de sprach mit Marlies Bettscheider von der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung, Familienbildung und Frauengesundheit, Bundesverband e.V. Frau Bettscheider ist Krankenschwester, seit 10 Jahren Geburtsvorbereiterin, leitet Geburtsvorbereitungskurse für Paare, Kurse zur Rückbildung und Babymassagekurse. Jährlich berät sie etwa 40 bis 50 Paare in der Vorbereitung, rund ebensoviele Frauen berät sie zur Rückbildung. Sie ist 2.Vorsitzende des Landesverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland der GfG. Frau Bettscheider hat selbst zwei Söhne und eine Tochter, die im Abstand von zwei und sieben Jahren zur Welt kamen.

Frau Bettscheider, gibt es einen "optimalen" Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Kind?

Generell gibt es ja für eine Frau nichts Anstrengenderes als zwei oder drei kleine Kinder. Das ist dann eine wirklich schwere Zeit für sie, aber liegt diese Phase erst einmal hinter ihr, dann ist sie auch gleich mit allen Kindern "aus dem Gröbsten heraus". Wirklich ungünstig oder vielmehr extrem anstrengend für alle Beteiligten ist eigentlich nur ein Fall, wo die Mutter zwei bis drei Monate nach der ersten Geburt wieder schwanger wird. Langfristig überwiegen aber bei Geschwistern mit kurzem Altersabstand doch die Vorteile. Da spielt auch das Alter der Mütter eine wichtige Rolle. Viele Frauen um die 40, die schon ein relativ großes Kind haben, bekommen bei der Erziehung ihres zweiten Kindes dann das Gefühl, kein "Land in Sicht" zu haben. Sie sind dann ja auch in der Tat eine sehr lange Zeit ihres Lebens mit der Kindererziehung beschäftigt.

Kommen denn die "späten Geschwister" eher ungeplant auf die Familien zu?

Nein, in der Regel nicht. Häufig lebt die Mutter in der zweiten Beziehung und entscheidet sich zusammen mit ihrem neuen Partner und ihrem Kind aus der ersten Beziehung dafür, noch einmal ein Baby zu bekommen.

Wie können denn die Eltern Eifersuchtsgefühlen ihrer Erstgeborenen am besten begegnen?

Es müssen sich meiner Ansicht nach einfach so viele Familienmitglieder wie möglich um die älteren Kinder kümmern. Die Väter sollten viel mehr in die Pflicht genommen werden und auch die Großeltern sollten so weit wie möglich eingebunden werden. Je mehr Zeit beispielsweise der Vater mit dem älteren Kind zusammen verbringt, desto weniger hat das Kind das Gefühl, etwas zu versäumen, wenn die Mutter sich intensiv um das Baby kümmert. Besteht ein solcher Ausgleich, dann empfindet es diese Art der Zuwendung für sich auch als angemessen. Mir ist aber klar, dass vieles davon derzeit noch Wunschdenken ist. Aber: Die Väter müssen bei der Erziehung künftig viel mehr in Erscheinung treten.

Was ist denn für die Geschwisterkinder vorteilhafter? Ein kurzer oder ein langer Altersabstand?

Das lässt sich so pauschal natürlich nicht beurteilen. Ist der Altersabstand sehr kurz, genießen es die Kinder, einen fast gleichaltrigen Spielpartner zu haben und bekommen von den Schwierigkeiten der Eltern kaum etwas mit. Sind die älteren Kinder schon größer, schlüpfen sie dem kleinen Schwesterchen oder Brüderchen gegenüber gerne in die Beschützerrolle. Wichtig ist neben dem Altersabstand aber auch die Zahl der Geschwister: Zwei Kinder tun sich leichter als eines, drei sind sogar noch besser als zwei! Die Kinder haben dann nicht nur eine Person für ihren Spielkontakt, sondern sie können sich immer wieder aussuchen, mit wem sie gerade spielen wollen – und auch streiten. Sie lernen dabei Konflikte auszutragen. Einzelkinder tun sich da schwerer. Auch ganz langfristig ist es vorteilhafter, wenn es mehr Familienmitglieder gibt. Der Kontakt innerhalb der Familie bleibt leichter bestehen und braucht mal jemand Pflege, bleibt nicht die ganze Verantwortung an einer Person hängen.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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