Völlegefühl

 

Natürliche Verdauungshelfer sorgen für Besserung

Eine Extraportion üppiges Essen kann schwer im Magen liegen. Gegen Völlegefühl und unangenehmen Druckschmerz helfen pflanzliche Präparate.

Ein gesunder Mensch bewältigt auch große Fettmengen ohne Probleme. Denn der Körper ist von Natur aus in der Lage, mehr Fett zu verzehren, wenn es für die Energiegewinnung benötigt wird. Problematisch wird es jedoch, wenn das Angebot an Fett sehr hoch ist. Dann drohen nicht nur überflüssige Pfunde, auch die Verdauung kann massive Beschwerden machen.

Die Gallenblase bewältigt auch große Fettmengen

Dass der Mensch überhaupt Fett verzehren und verdauen kann, verdankt er der Gallenflüssigkeit, die in der Gallenblase konzentriert gespeichert ist. Sie wird von der Leber gebildet. Gallengänge verbinden die Leber mit der Gallenblase und dem Dünndarm. Dort sitzen spezielle Zellen, die Hormone bilden, sobald sie mit fettreicher Nahrung in Kontakt kommen. Diese Hormone bringen die Muskulatur um die Gallenblase dazu, sich zusammenzuziehen und die gespeicherte Gallenflüssigkeit in den Zwölffingerdarm abzugeben. Dort hilft sie, das Nahrungsfett im Speisebrei ultrafein zu verteilen. Nur in dieser Form kann das Fett von den Enzymen der Bauchspeicheldrüse gut gespalten und in den Körper aufgenommen werden.

Die Fettverdauung kann gestört sein

Entweder bildet die Leber zu wenig Gallenflüssigkeit oder aber die Gallenblase gibt zu wenig von der gespeicherten Gallenflüssigkeit ab. Die dritte mögliche Ursache für Gallenbeschwerden sind Verkrampfungen der Gallengänge oder des Ringmuskels, der den Ausgang der Gallengänge in den Dünndarm verschließt. Die Folgen sind immer ähnlich: Es kommt zu Völlegefühl, Druck im Leib, Aufstoßen und aufgeblähtem Kugelbauch. Es stellen sich außerdem leichte krampfartige Schmerzen ein. Gegen Gallenbeschwerden sind Heilpflanzen ideal. Sie enthalten ein Gemisch von Inhaltsstoffen, die sich in ihrer Wirkung ergänzen.

Verdauungshelfer aus Pflanzen: Das steckt drin

Bitterstoffe: Sie kommen in Artischockenblättern, in Löwenzahn- oder Schafgarbenkraut vor. Bitterstoffe regen die Drüsentätigkeit des Magen-Darm-Traktes an, und die Bildung von Magensaft und Galleflüssigkeit wird gefördert.

Alkaloide: Diese stickstoffhaltigen Pflanzenstoffe kommen beispielsweise in Erdrauch und Berberitze vor. Auch Schöllkraut wurde früher wegen seines Alkaloidgehaltes bei behindertem Gallefluss eingesetzt. Die alkaloidhaltigen Heilpflanzen wirken vor allem krampflösend. Sie helfen, wenn die Abgabe von Gallenflüssigkeit aufgrund von Verkrampfungen der Gallengänge erschwert ist.

Ätherische Öle: Die Duftstoffe in Pfefferminze, Indischer Gelbwurz, Schafgarbe oder Boldoblättern wirken ebenfalls krampflösend.

Flavonoide: Diese Pflanzenstoffe schützen die Leberzellen vor Schadstoffen. Weil die Gallebildung in einer gesunden Leber besser funktioniert, unterstützen diese Substanzen indirekt auch die Verdauung. Flavonoidhaltig sind Artischocke und vor allem die Mariendistel. Letztgenannte enthält ein Gemisch aus Flavonoiden, das als Silymarin bezeichnet wird. Im Tierversuch kann es die Leber sogar vor dem Gift des Knollenblätterpilzes schützen.

Weitere Wirkstoffe

Daneben gibt es noch Stoffe, die sich keiner Wirkstoffgruppe zuordnen lassen, sondern nur für einzelne Pflanzen typisch sind. Artischocke enthält beispielsweise Caffeoylchinasäuren, die die Bildung von Gallenflüssigkeit anregen. Die Gelbwurz (Curcuma longa) enthält neben ätherischem Öl Inhaltsstoffe, die der Fachmann als Curcuminoide bezeichnet. Sie regen nicht nur die Galleproduktion in der Leber an, sondern setzen auch gezielt die Gallenflüssigkeit aus der Gallenblase frei. Die Nahrungsfette werden leichter verdaut. Es kommt weder zu Stauungs- noch zu Gärungsprozessen im Darm. Das ist besonders vorteilhaft für ältere Menschen, da im Alter zunehmend unzureichend Gallesaft gebildet wird und das Fettverdauungssystem langsamer reagiert. Fertigpräparate gegen Gallenbeschwerden enthalten Auszüge der genannten Heilpflanzen. Nutzen Sie bei der Selbstmedikation die individuelle Beratung in Ihrer Apotheke.

Vorsicht bei Gallensteinen

Wer Gallensteine hat, sollte Präparate gegen Gallenbeschwerden nur nach Rücksprache mit dem Arzt anwenden. Denn durch die Wirkung des pflanzlichen Mittels kann es geschehen, dass der Gallenstein aus der Gallenblase in Richtung Gallengang geschoben wird und so eine Gallenkolik auslöst.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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