|
Gentechnisch veränderte Lebensmittel |
|
Lässt sich Genfood erkennen? |
|
In vielen Produkten stecken bereits gentechnisch veränderte Anteile, ohne dass wir davon wissen. |
|
Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Anteilen würde ich niemals kaufen" – das sagen laut einer GfK-Umfrage im Auftrag der Apotheken Umschau 44,9 Prozent der Deutschen. Ob sie diesen Vorsatz einhalten können, ist fraglich. Der Grund: Seit 15. Mai 1997 gilt innerhalb der Europäischen Union zwar die Novel-Food-Verordnung, nach der Hersteller angehalten sind, darüber zu informieren, ob Lebensmittel Rohstoffe oder gentechnisch veränderte Zutaten enthalten. Aber: Zahlreiche Ausnahmen machen Otto Normalverbraucher eine sichere Identifizierung fast unmöglich. Bisher müssen europaweit (und damit auch in Deutschland) nur Lebensmittel als genetisch verändert gekennzeichnet werden, wenn |
|
- darin verändertes Erbgut oder veränderte Eiweiße aus Gen-Mais oder Gen-Soja nachweisbar sind und der nachweisbare Anteil beabsichtigt verarbeitet wurde; |
|
- nachweisbare, genetisch veränderte Rohstoffe aus Gen-Mais oder Gen-Soja unbeabsichtigt verarbeitet wurden und gleichzeitig über ein Prozent der Zutat ausmachen. |
|
In beiden Fällen muss das betreffende Lebensmittel dann gekennzeichnet werden. In der Zutatenliste soll sich in diesem Fall bei der entsprechenden Zutat einer dieser drei Vermerke finden: |
|
"gentechnisch verändert", |
|
"aus genetisch veränderten/m Sojabohnen/Mais hergestellt" oder |
|
"enthält aus genetisch veränderten Sojabohnen/genetisch verändertem Mais hergestellte..." |
|
Andere gentechnisch hergestellte Füll- und Aromastoffe müssen gar nicht deklariert werden, und auch Lachs, der mit Somatosalm (ein gentechnisch hergestelltes Wachstums-Hormon) großgepäppelt wurde, passiert die Fischtheke ohne besondere Kennzeichnung. |
|
Hersteller fürchten die Etikettierung |
|
Und so kommt es, "dass in Deutschland bisher kein Produkt auf dem Markt ist, das offiziell gentechnisch veränderte Zutaten enthält", so Gesal Maschkowski von der Abteilung Verbraucherschutz beim AID in Bonn (Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten). "Denn deutsche Hersteller fürchten die negativen Auswirkungen einer Etikettierung beim Verbraucher und überschreiten deshalb die Ein-Prozent-Schwellengrenze bewusst lieber nicht." Trotzdem, so schätzt man bei der Verbraucherzentrale Bayern, kommen mit gentechnisch veränderten Stoffen etwa zwei Drittel aller verarbeiteten Lebensmittel in Berührung. |
|
Gibt es garantiert gentechnikfreie Nahrung? |
|
Und so bleibt dem Verbraucher nur die Hoffnung auf den umgekehrten Weg. Denn Hersteller in der EU können entscheiden, ob sie ein Lebensmittel, das sie ohne gentechnisch veränderte Zutaten hergestellt haben, mit den Begriffen "gentechnikfrei" oder "ohne Gentechnik" kennzeichnen. Absolute Sicherheit bedeutet aber auch diese Deklaration nicht. Denn die Angabe "ohne Gentechnik" ist beispielsweise auch dann zulässig, wenn unbeabsichtigt und in unvermeidbaren Spuren Bestandteile aus gentechnisch veränderten Organismen in das Lebensmittel gelangt sind. "Das kann zum Beispiel über Pollenflug passieren oder wenn ein Lastwagen zuvor gentechnisch verändertes Soja transportiert hat", weiß Gesal Maschkowski. |
|
Im Biolandbau ist Gentechnik verboten |
|
Wer garantiert genfreie Nahrungsmittel auf dem Teller haben will, dem bleibt derzeit nur der Griff zu Produkten, die Ökosiegel tragen oder auf deren Siegel der Hinweis "gentechnikfrei erzeugt" vermerkt ist. Denn im Biolandbau ist jeglicher Einsatz von Gentechnik verboten. Mindestens 95 Prozent der Zutaten müssen zudem aus ökologischer Landwirtschaft sein – ganz gleich, ob sie im eigenen Land erzeugt oder importiert wurden. Jeder Betrieb, der innerhalb der EU an der Herstellung von Bio-Lebensmitteln beteiligt ist, wird von geschulten Fachleuten mindestens einmal im Jahr kontrolliert. Das Kontrollsystem schließt alle Verarbeitungsstufen ein – beim Brot beispielsweise den Getreide erzeugenden Landwirt, den Müller und zuletzt den Bäcker. Echte Bioprodukte, die in Deutschland hergestellt werden, tragen deshalb auf dem Etikett auch die Codenummer der zuständigen Kontrollstelle, zum Beispiel "DE-006-Ökokontrollstelle". So erzeugte Lebensmittel sind zwar etwas teurer – doch immer mehr Menschen ist die Gewissheit, gentechnikfrei zu essen, das Geld wert. |
|
© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn |