Diabetes

 

Inhalatives Insulin könnte Therapie deutlich verbessern

Professor Dr. Hans Hauner, Leitender Oberarzt der Klinischen Abteilung des Deutschen Diabetes-Forschungsinstitutes in Düsseldorf, nimmt im Interview Stellung zur Frage: Wann ist Diabetes heilbar?

Die zentrale Frage für alle Diabetiker: Wann wird man Diabetes Typ-1 bzw. Typ-2 heilen können?

Im Augenblick ist es nicht möglich, vorherzusagen, wann Diabetes heilbar sein wird. Obwohl an allen Fronten sehr viel geforscht wird. Zum Beispiel versucht man, Zellen so umzuprogrammieren, dass sie wieder Insulin herstellen. Das wäre für Typ-1-Diabetiker interessant, die kein eigenes Insulin mehr produzieren können. Bei Typ-2-Diabetiker versucht man neue Medikamente für eine optimale Insulineinstellung zu entwickeln. Außerdem sollen die Folgeerkrankungen, wie Gefäßerkrankungen oder Herzinfarkt, vermieden werden. Wir haben aber auch heute schon eine Reihe gut wirksamer Therapiemöglichkeiten, um zum Beispiel Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte zu senken.

Welches sind momentan die vielversprechendsten Therapieansätze?

Ein grundsätzlicher Durchbruch ist nicht in Sicht. Konkret ist aber die Entwicklung eines inhalativen Insulins. Das wäre sowohl für Typ-1- als auch für Typ-2-Diabetiker interessant. Dieses Inhalationssystem über die Lunge, wie man es aus der Asthmatherapie kennt, würde Spritzen mit schnell wirksamem Insulin ersetzen können. Da ein Inhalationsmedikament zwar schnell aufgenommen, aber auch schnell wieder abgebaut wird, müssten Typ-1-Diabetiker zusätzlich noch ein Basalinsulin spritzen.

Ein Typ-2-Diabetiker, der noch eine gewisse Menge an eigenem Insulin hat, könnte eventuell allein mit so einem Spray ausreichend gute Blutzuckerwerte erzielen.

Bei der Bestimmung der Blutzuckerwerte zeichnet sich die Möglichkeit ab, kontinuierlich zu messen – inklusive eines Alarmsystems, das zum Beispiel auf nächtliche Unterzuckerung aufmerksam machen könnte.

Was kann bzw. sollte der Diabetiker von heute für sich selbst tun?

Grundsätzlich haben wir heute schon alle Werkzeuge, um den Blutzucker optimal einzustellen und Folgeerkrankungen zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Die Therapie muss aber für jeden Einzelnen maßgeschneidert sein. Deshalb muss jeder Diabetiker Fachmann in eigener Sache sein, denn ohne sein Engagement geht es nicht. Er sollte sich weiterbilden, um die modernsten Therapiemöglichkeiten wirklich nutzen zu können.

Gerade beim Typ-2-Diabetes machen aber auch eine verantwortliche Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung mindestens fünfzig Prozent des Erfolges aus.

Selbstverständlich braucht jeder Diabetiker eine gute ärztliche Betreuung.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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