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Gebärmutterhalskrebs |
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Forscher enttarnen Tumor-Vorstufen |
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Rund 450000 Frauen erkranken weltweit Jahr für Jahr an Gebärmutterhalskrebs. Mit zwei neuen Tests wollen Heidelberger Forscher die Früherkennung verbessern. Das Ziel: gezieltere Behandlung und weniger Operationen. |
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Die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs zählt zu den Erfolgsgeschichten der Medizin. Seit der griechische Arzt George Papanicolaou 1942 den Zell-Abstrichtest (PAP-Test) in die gynäkologische Praxis eingeführt hat, ist die Heilungsrate bei dieser Tumorerkrankung deutlich angestiegen – zumindest in Ländern wie Deutschland, wo der PAP-Test zur Routine bei der Krebsvorsorge gehört. Denn gerade für den Gebärmutterhalskrebs, der sich meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium bemerkbar macht, gilt: Je früher erkannt, desto besser die Heilungsaussichten. Die Schwierigkeit beim PAP-Test: Nicht immer können die Mediziner unterscheiden, ob die Zellveränderungen, die sie bei einer Abstrich-Untersuchung gefunden haben, wirklich auf die Frühform eines bösartigen Tumors hindeuten oder andere Ursachen haben – etwa eine Entzündung. Schon aus Sicherheitsgründen müssen Ärzte daher manchmal weitere Untersuchungen vornehmen. |
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Antikörper-Check macht Krebsvorstufen sichtbar |
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Heidelberger Forscher wollen jetzt die Treffsicherheit der Früherkennung beim Gebärmutterhalskrebs mit einem neuen Antikörper-Test erhöhen. Prof. Dr. Magnus von Knebel-Doeberitz, Molekularbiologe an der Universität Heidelberg, erläutert das Prinzip: "Während der PAP-Test die Zellveränderungen untersucht, identifizieren wir zusätzlich das biologische Krebspotenzial einer Zelle." Ärzte wissen nämlich heute, dass der Gebärmutterhalskrebs fast immer auf eine dauernde Infektion mit Human-Papilloma-Viren (HPV) zurückzuführen ist. Erhöhte Krebsgefahr besteht dann, wenn zwei bestimmte krebsfördernde Virus-Gene in den Zellen am Gebärmutterhals aktiv werden. Genau diesen Zustand wollen die Heidelberger Forscher aufdecken. Das Problem: Die gefährlichen Virus-Gene in den Zellen lassen sich nur in groß angelegten Untersuchungen direkt nachweisen – bei einer Routine-Früherkennung ist dieser Aufwand kaum zu rechtfertigen. Daher nutzt der neue Test einen Umweg: Mit Hilfe eines speziellen Antikörpers spüren die Wissenschaftler einen Eiweißstoff auf, der ausschließlich von den tumorgefährdeten Zellen produziert wird. Prof. von Knebel-Doeberitz sieht den Früherkennungs-Check als Ergänzung zum PAP-Test. Die höhere Genauigkeit dieser Kombination soll der Patientin nicht nur mehr Sicherheit bieten: "Mit dem Antikörper-Test könnten auch die Zeitabstände zwischen den Vorsorgeuntersuchungen größer werden", schätzt von Knebel-Doeberitz. |
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Operieren – ja oder nein? Ein Test soll entscheiden |
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Wenn Ärzte im PAP-Test sehr starke Zellveränderungen finden, entscheiden sie sich meist aus Sicherheitsgründen für einen Eingriff, bei dem das kritische Gewebe entfernt wird – obwohl sich nach Schätzungen bis zu 70 Prozent der veränderten Zellstrukturen von allein zurückbilden. Nach den Vorstellungen der Heidelberger Forscher muss der Eingriff künftig nicht mehr die zwangsläufige Konsequenz sein. Wie aber können die Ärzte die harmlosen Zellveränderungen von den potenziell bösartigen unterscheiden? Die Antwort soll ein zweiter, aufwendigerer Test liefern, der jetzt die genetische Information der verdächtigen Zellen direkt unter die Lupe nimmt (APOT-Test). In fortgeschrittenen Krebs-Vorläuferzellen ist das Erbgut des Human-Papilloma-Virus nämlich oft bereits fest eingebaut. Diese Virus-DNS können die Forscher nun nachweisen – anhand der Genkopien, die die potenzielle Krebszelle bildet. Als Probe genügt – wie beim Antikörper-Test – ein einfacher Zellabstrich. |
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Test muss sich noch in der Praxis bewähren |
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Allerdings denkt von Knebel-Doeberitz hier nicht an einen Routineeinsatz in der Krebsfrüherkennung: "Der APOT-Test soll zeigen, wie stark Frauen wirklich krebsgefährdet sind, die bereits hochgradige Zellveränderungen haben." |
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Privatdozent Dr. Rainer Kimmig, Gynäkologe am Uni-Klinikum München-Großhadern, sieht den Nutzen des Gen-Tests verhalten optimistisch: "Der APOT-Test könnte eine Lücke in der Diagnostik von Krebsvorstufen schließen und helfen, über die Notwendigkeit einer OP zu entscheiden. Aber er muss seine Sicherheit und Genauigkeit noch in der Praxis beweisen." |
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