Hyposensibilisierung

 

Tröpfchenweise immunisieren ohne Spritzen

Wie funktioniert das neue, orale Verfahren und ist es so erfolgreich ist wie das bisherige?

Wir fragten Prof. Dr. med. Jürgen Rakoski, Allergologe an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der Technischen Universität München.

Wie funktioniert die orale Hyposensibilisierung?

Der Patient nimmt die Allergen-Dosis über den Mund auf. Er tropft sich die Lösung täglich unter die Zunge und benetzt damit möglichst die gesamte Mundschleimhaut. Danach kann er die Lösung entweder schlucken oder ausspucken. Das ist für den Patienten natürlich angenehmer: Er kann es zu Hause machen und muss sich nicht spritzen lassen.

Dass die Lösung tatsächlich in die Mundschleimhaut aufgenommen wird, ist nachgewiesen. Untersuchungen haben gezeigt, dass nach 24 Stunden immer noch zwei Prozent davon in der Schleimhaut nachweisbar waren. Die Allergen-Dosis, die verabreicht werden muss, ist allerdings bis zu 200-mal höher als bei der herkömmlichen Hyposensibilisierung. Die Dauer der Therapie unterscheidet sich aber nicht. Für einen langfristigen Erfolg sind auch bei der oralen Methode in der Regel drei Jahre nötig.

Wie erfolgreich ist das neue Verfahren?

Bisher gibt es nur eine einzige vergleichende Studie, in der die orale Hyposensibilisierung ein ähnlich gutes Ergebnis vorweisen kann wie die subkutane. Die harten Fakten, also Daten, die durch Untersuchungen und Tests an Patienten den Erfolg belegen, liegen noch nicht in großem Umfang vor. Was festgestellt werden konnte, ist, dass sich ähnlich wie bei der herkömmlichen Methode die Anzahl der IgG-Antikörper erhöht und die der IgE-Antikörper verringert. Bei Placebo kontrollierten Studien, in denen eine Gruppe das Präparat bekommt und eine andere nur ein wirkstofffreies Scheinmedikament, haben wir bis jetzt nur Ergebnisse, die auf den Aussagen der Patienten beruhen. Für Hausstaubmilben, Gräser- und Olivenpollen sind die Berichte positiv.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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