Kohlenhydrate

 

Schluss mit der Geheimniskrämerei

Verbraucherzentrale und Diabetes-Gesellschaft fordern genaue Angaben auf Lebensmittelpackungen über enthaltene Kohlenhydrate.

Millionen Diabetiker kontrollieren täglich ihren Blutzucker. Dazu müssen Kohlenhydrate in Nahrungsmitteln und Getränken penibel berechnet werden. Doch meist fehlen die nötigen Angaben auf Verpackungen von Lebensmitteln, monieren die Gesundheitsexperten der Verbraucher-Zentrale NRW.

Lange galt bei Diabetes eine strenge Diät mit speziellen Lebensmitteln als angesagte Behandlungsmethode. Das hat sich geändert. Längst sollen sich Diabetiker "so ernähren wie Nichtdiabetiker", empfiehlt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft in Düsseldorf. Selbst Kuchen und Schokolade in Maßen gehörten auf den Speiseplan.

Entscheidend sind die Kohlenhydrate, also energieliefernde Bestandteile der Nahrung, die bei der Verdauung zu Zucker abgebaut werden und so den Blutzucker erhöhen. Jedes Gramm davon in stärke- und zuckerhaltigen Lebensmitteln müssen Diabetiker addieren und per Insulinzufuhr ausgleichen.

Genau hier aber ließen Hersteller von Nahrungsmitteln "Millionen Kunden im Stich", rügt Volker Krempel, stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Diabetes-Union. Auf vielen Produkten im Supermarkt fehlen die Angabe zu den Kohlenhydraten.

Analysekosten zu hoch?

Die Gründe kennt Angelika Mrohs vom industrienahen Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde in Bonn: Vor allem kleinere Hersteller seien mit den Analysekosten überfordert, zudem sei auf vielen Verpackungen kein Platz mehr.

Zwar erhalten Diabetiker eine Schulung, um die Kohlenhydrate in der Nahrung einzuschätzen. Zudem können bei einigen Anbietern wie Iglo, Langnese oder Mars Tabellen mit Angaben zu Kohlenhydraten für ihre gängigsten Produkte bestellt werden. Sicher und praktikabel im Alltag ist jedoch allein der rasche Blick auf die Verpackung.

Zumal es gerade bei Fertigprodukten so manche Überraschung gibt. In einem fertig angerichteten Gartensalat aus dem Plastikbecher (400 Gramm) kann je nach Dressing leicht ein Viertel der Broteinheiten einer normalen Mittagsmahlzeit stecken.

Europäische Union hinkt hinterher

"Die Angaben zu den Kohlenhydraten gehören deshalb auf jede Verpackung", fordert Wolfgang Schuldzinski, Gesundheitsexperte der Verbraucher-Zentrale NRW. Mit Kritik spart Schuldzinski auch nicht am Gesetzgeber. Denn während die durchgängige Kennzeichnung in den USA längst selbstverständlich ist, hinken die Staaten der Europäischen Union deutlich hinterher. Hier gilt die Regel: Nur wenn Anbieter von verpackten Lebensmitteln auf Etiketten oder in der Werbung irgend etwas zum Nährwert ihres Produkts aussagen, etwa "kalorienreduziert" oder "reich an Vitaminen", dann müssen sie auch Angaben zu den Kohlenhydraten aufdrucken.

(Quelle: Verbraucherzentrale NRW)

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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