Herzinfarkt

 

Fünf Antworten auf Fragen, die Leben retten können

Kein Infarkt ohne Brustschmerzen? Trifft es Frauen seltener? Sind die Gene schuld? Über den Herzinfarkt gibt es zahlreiche populäre Irrtümer. Hier einige Beispiele, und was an den Vorurteilen dran ist:

Gibt es typische Warnzeichen für einen Infarkt?

Keinesfalls immer. Jeden zweiten Patienten ereilt der Infarkt "aus heiterem Himmel", also ohne die typischen Anzeichen Schmerz und Engegefühl in der Brust. Nicht einmal der Infarkt selbst muss schmerzhaft ablaufen: Vor allem bei Frauen stehen oft Übelkeit, Schweißausbrüche, Atemnot, Angst und Schwächegefühl im Vordergrund.

Viele Betroffene, bei denen die typischen Infarktanzeichen fehlen, vermuten zunächst eine Magenverstimmung. Ein verhängnisvoller Irrtum: Patienten ohne Brustschmerzen treffen im Schnitt etwa zwei Stunden später in der Klinik ein als solche mit typischen Herzinfarktbeschwerden. Dementsprechend höher ist die Gefahr, dass sie an ihrem "stummen" Infarkt sterben.

Sind die Gene schuld?

Der Herzinfarkt selbst ist nicht erblich. Wohl aber die Neigung zu Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhten Cholesterinwerten und Diabetes mellitus Typ 2 (früher "Alterszucker" genannt). Erblich vorbelastete Menschen haben jedoch kein unabänderliches Schicksal: Sie sollten schon in jungen Jahren regelmäßig ihre Werte kontrollieren lassen, sowie Lebens- und Ernährungsstil entsprechend umstellen.

Trifft es Frauen seltener?

Vor den Wechseljahren sind Frauen durch die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene) besser vor einem Herzinfarkt geschützt als Männer. Diese Schutzwirkung kann jedoch durch eine Reihe von Faktoren zunichte gemacht werden. Dass die Zahl der jüngeren Herzinfarkt-Patientinnen steigt, führen Experten auf das nach wie vor allzu beliebte Laster Rauchen zurück. Besonders gefährdet: Raucherinnen, die mit der Pille verhüten. Auch junge Frauen mit angeborener Hypercholesterinämie (erblich bedingte erhöhte Cholesterinwerte) sollten auf ihr Herz achten und den Glimmstengel meiden. Ob eine Hormon-Ersatz-Therapie nach den Wechseljahren das Herzinfarkt-Risiko tatsächlich senkt, gilt heute als umstritten.

Was ist der plötzliche Herztod?

Der plötzliche Herztod, im Volksmund auch "Herzschlag" genannt, trifft in Deutschland pro Stunde zehn Menschen. Nur selten steckt jedoch ein akuter Herzinfarkt dahinter. Bei 80 bis 90 Prozent der Fälle ist eine bestimmte Form der Herzrhythmusstörung die Ursache: Das Herz schlägt schnell, aber ineffektiv, der Körper bekommt zu wenig Blut und Sauerstoff. Die Folge: Bewusstlosigkeit und Herzstillstand.

Infarkt-Patienten sind stärker gefährdet: Sie sollten ihr Risiko für einen plötzlichen Herztod vom Kardiologen prüfen lassen. Bei erhöhtem Risiko wird der Arzt die Implantation eines Herzschrittmachers erwägen. Vom "Herzschlag" getroffene Menschen lassen sich in den ersten Minuten oft mit externen Defibrillatoren wieder beleben. Diese Geräte durchbrechen den Herz-Kreislauf-Stillstand, indem sie über zwei auf den Brustkorb platzierte Plattenelektroden Gleichstrom entladen, der die Herzmuskeln zum Schlagen anregt.

Für gute Vorsätze schon zu spät?

Wozu sich noch kasteien, wenn das Schicksal schon besiegelt ist? Dies fragt sich mancher, der jahrzehntelang deftigem Essen, Zigaretten und Alkohol gefrönt, und körperliche Bewegung konsequent gemieden hat. Doch für eine gesundheitsbewusste Lebensweise ist es nie zu spät. Auch ältere Menschen können ihr Infarkt-Risiko deutlich senken, wenn sie das Rauchen aufgeben, abnehmen, auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung achten. Wer außerdem regelmäßig Blutdruck, Blutfette und Blutzuckerspiegel kontrollieren lässt, kann das gute Gefühl haben, optimal vorzusorgen.

© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


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