Kopfschmerzen

 

Clusterkopfschmerz: Wie ein Stich ins Auge

Millionen Deutsche leiden regelmäßig unter Kopfschmerzen. Dieser Problematik widmet sich der heute stattfindende 2. Deutsche Kopfschmerztag. Ziel der vom Bundesverband Deutsche Schmerzhilfe e.V. veranstalteten Aktion ist es, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Schwierigkeiten der Betroffenen zu schärfen. Kopfschmerzen stellen eine schwere Belastung dar. Eine zwar seltene, für die Betroffenen aber ungemein qualvolle Erkrankung, ist der Clusterkopfschmerz.

Der Clusterkopfschmerz (auch Bing-Horton-Kopfschmerz genannt) ist eine vor allem bei Männern mittleren Alters auftretende Kopfschmerzform. Der meist einseitig empfundene Schmerz sitzt hinter einem Auge oder im Schläfenbereich. Er ist äußerst heftig: Manche Betroffene vergleichen ihn mit einem Stich ins Auge mit einer glühenden Stricknadel. Anders als Migräne-Patienten, die sich bei Anfällen gerne zurückziehen und ausruhen, befällt Clusterkopfschmerz-Patienten Unruhe: Häufig laufen sie umher, schreien oder schlagen im Extremfall mit dem Kopf gegen die Wand.

Die Schmerzattacken treten gehäuft auf

Die Schmerzen plagen oft nachts. Die Schmerzanfälle dauern zwischen 15 Minuten und 3 Stunden. Sie treten stets gehäuft auf (daher der Name: cluster = englisch für Gruppe, Haufen). Nach Häufigkeit und zeitlicher Abfolge der Schmerzattacken werden zwei Formen von Clusterkopfschmerz unterschieden:

  • Episodische Form: Phasen mit Schmerzanfällen und Beschwerde freie Zeiträume wechseln sich ab. Während der Schmerzphasen erleidet der Betroffene vier bis fünf Wochen lang jeden Tag bis zu acht Schmerzattacken. Bis zum nächsten Schmerzschub liegen mindestens 14 Tage. Etwa 80 Prozent der Cluster-Betroffenen leiden an dieser Krankheitsform.
  • Chronische Form: Die Phasen, in denen die Schmerzen gehäuft auftreten, dauern über ein Jahr lang. Zwischen ihnen liegen Schmerz freie Intervalle von weniger als 14 Tagen.
  • Die episodische Form kann in die chronische übergehen.

    Viele Patienten haben eine lange Odyssee hinter sich

    Die Diagnose des Clusterkopfschmerzes ist eigentlich einfach: Schmerzen und zeitlicher Rhythmus der Beschwerden sind charakteristisch. Neben den Kopfschmerzen selbst weisen auch verschiedene Begleiterscheinungen häufig schon vor Beginn eines Anfalls deutlich auf das Leiden hin. Mindestens eines der folgenden Symptome begleitet den Kopfschmerz:

  • Das Auge der vom Schmerz betroffenen Seite rötet sich und tränt
  • Die Nase läuft auf der betroffenen Seite
  • Pupillen verengen sich
  • Augenlider schwellen an
  • Augenoberlid hängt herab
  • Das Problem: Da der Clusterkopfschmerz sehr selten ist (Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland einige tausend Fälle), wird er von den Ärzten häufig nicht erkannt. Vielen Betroffenen wird fälschlicherweise eine Migräne attestiert. In der Regel dauert es mehrere Jahre, bis das qualvolle Leiden als Clusterkopfschmerz diagnostiziert wird. Umso wichtiger ist es, an den richtigen Arzt zu gelangen. Auf der Seite www.clusterkopfschmerz-selbsthilfe.de finden Sie einen Link zu einer Liste von Kliniken und Ärzten, mit denen Clusterkopfschmerz-Betroffene gute Erfahrungen gemacht haben. In jedem Fall tut sich der Patient selbst einen großen Gefallen, wenn er dem Arzt Schmerzen und Begleiterscheinungen möglichst präzise beschreibt.

    Reiner Sauerstoff hilft gegen die Schmerzen

    Herkömmliche Schmerzmittel sind zu schwach, um die äußerst heftigen Clusterkopfschmerzen zu lindern. Außerdem setzt die Wirkung häufig erst ein, wenn die Schmerzattacke bereits zu Ende geht. Die beste Methode, den Schmerz loszuwerden bietet die Inhalation von 100-prozentigem Sauerstoff. Der Patient nimmt das heilbringende Gas aus einer Sauerstoffflasche mit Hilfe einer Atemmaske auf. Wichtig für die Wirkung: Möglichst sofort nach Einsetzen der Schmerzen mit der Inhalation beginnen. Die Sauerstoff-Therapie ist besonders gut verträglich und wirkt schnell. Patienten, bei denen die Schmerz stillende Wirkung des Atemgases ausbleibt, kann der Arzt ein spezielles Medikament verschreiben.

    © Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn


    weitere Artikel im ARCHIV