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Wohngifte |
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Krankmacher im eigenen Heim |
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Der Fall der PCB-verseuchten Schule in Nürnberg sorgte vor einiger Zeit für Aufsehen. Wohngifte können aber auch in den eigenen vier Wänden lauern. Was Sie dagegen tun können und wie Experten helfen. |
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Laut einer Forsa-Umfrage träumt jeder vierte Deutsche von einem eigenen Heim. Doch nicht selten sind die erträumten vier Wände mit gesundheitsschädlichen Giften wie Lindan oder PCP (Pentachlorphenol) belastet. Hohe Kosten machen Abriss und Neubau häufig lohnender als die Sanierung. |
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Formaldehyd war in den 70ern "in" |
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"Gerade mit Häusern aus den 70er Jahren erleben wir immer wieder böse Überraschungen", sagt der Baubiologe Uwe Münzenberg vom Berufsverband Deutscher Baubiologen (VDB). Damals wurden formaldehydhaltige Pressspanplatten nicht nur in Dachstühle eingebaut – sie dienten oftmals auch als Fußbodenaufbau. "Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Formaldehyd im Laufe der Zeit ausdampfen kann", warnt Münzenberg. So bilde das im Bindemittel enthaltene Formaldehyd in Verbindung mit Luftfeuchtigkeit ständig neues. Mit Lüften erreiche man wenig. Der VDB hat eine kostenlose Hotline, über die Sachverständige vermittelt werden können. "Untersuchen wir die Raumluft auf Formaldehyd, kostet das etwa 95 Euro", so Münzenberg. |
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Holzschutzmittel: giftige Sünden der Vergangenheit |
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Leider können die Pressspanplatten aus den 70ern auch Biozide wie PCP und Lindan enthalten. Diese Verbindungen waren Bestandteile vieler Holzschutzmittel. Schwierig sei es allerdings, aufgrund von Symptomen wie Kopfschmerzen und Mattigkeit auf ein bestimmtes Wohngift zu schließen. Um sicherzugehen, helfen nur aussagekräftige Umweltanalysen vom Fachmann. Die Untersuchung auf Biozide ist allerdings aufwändig: Die etwa fünfstundige Messdauer sowie die anschließende Auswertung im Labor schlagen mit etwa 250 Euro zu Buche. |
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Die billigere Alternative für Leute, die in ihrem Heim Wohngifte vermuten: Dem VDB Fotos oder ein Video vom betreffenden Gebäude senden. Die Experten bekommen auf diese Weise einen recht guten Überblick, welche Baustoffe beim Hausbau verwendet wurden. Telefonisch kann dann das weitere Vorgehen diskutiert werden. |
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Schimmel fachgerecht entfernen |
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Schimmel ist eine der größten Gefahren im Haus. Die Gründe für das Auftreten der oft unsichtbaren Pilze: Bausünden der Vergangenheit, wie z.B. falsches Fugenmaterial, mangelhafte Wärmedämmung und fehlende Lüftung durch luftdichte Isolation der Fenster. "Beim Renovieren werden so viele Fehler gemacht", sagt Münzenberg. "Einer davon ist, den Schimmel abzukratzen und dann mit spezieller Wandfarbe darüber zu streichen." Diese Methode ermögliche es den Pilzsporen, sich im gesamten Raum zu verbreiten. |
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Ganz entscheidend ist es deshalb, den Pilz so zu entfernen, dass keine Stäube entstehen. Baubiologen helfen, indem sie Sanierungskonzepte erstellen, die auf Stundenhonorarbasis abgerechnet werden. |
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Was Sie selbst tun können |
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Bio-Check-Tests aus der Apotheke sind leicht zu handhaben und liefern ein richtungsweisendes Ergebnis. Mit ihnen können Sie Formaldehyd, PCP, Schimmel, Lösungsmittel und Hausstaubmilben aufspüren. Die Tests führen Sie zu Hause durch. Das Ergebnis der Messung auf Formaldehyd und Hausstaubmilben können Sie sofort nach der Probenentnahme ablesen. Alle anderen Tests werden im Labor ausgewertet. Die Kosten dafür sind im Kaufpreis enthalten. |
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Weitere Informationen: |
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Berufsverband Deutscher Baubiologen (VDB) |
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Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Forschungsinstitute (AGÖF) |
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© Wort und Bild-Verlag, Baiersbrunn |