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Wildpilze |
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Tipps fürs Pilzesammeln |
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Für den Pilzliebhaber bietet der herbstliche Wald eine Fülle an delikaten Verlockungen. Doch von den etwa 5000 Wildpilzarten in Deutschland gelten um die 150 als mehr oder weniger giftig. Einige davon können den leichtsinnigen Sammler sogar das Leben kosten. Umso mehr Grund also, beim Pilzesammeln Sorgfalt walten zu lassen. |
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Allein die genaue Kenntnis essbarer Pilzarten schützt den Sammler vor den Folgen einer vermeintlich genießbaren Mahlzeit. Zur Unterscheidung von essbar und giftig dienen Merkmale wie Form, Farbe und Farbmuster, Ausformungen am Stil (z.B. Manschette), Form des Hutrandes, Oberflächenstrukturen und der Geruch. Entscheidend ist, ob Sie einen Lamellen-, Röhren- oder Porenpilz vor sich haben. Auch die Reaktion auf Verletzung oder Berühren kann wichtige Hinweise zur Bestimmung geben: Manche Pilze sondern eine Flüssigkeit ab, andere verfärben sich charakteristisch. In keinem Falle darf der Geschmack als Unterscheidungsmerkmal herangezogen werden: Wildpilze, auch die Speisesorten, sind roh giftig! |
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Bevor Sie sich aufmachen in den Wald |
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Bevor Sie Sammeln gehen, sollten Sie sich etwas Zeit zur Vorbereitung nehmen. Wenn Sie nicht schon seit Jahren ein erfahrener Pilzkenner sind, empfiehlt es sich, Pilzkenntnisse aufzufrischen und zu erweitern. Hierzu dient z.B. ein gut bebildertes, modernes Pilzbuch mit genauen Beschreibungen über Standort, Merkmale und Genießbarkeit. Konzentrieren Sie sich auf wenige Pilzarten, deren Profil Sie sich genau einprägen. Werfen Sie auch einen Blick auf die Arten, mit denen Sie die Speisepilze leicht verwechseln könnten. |
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Folgende Faktoren sind für den Sammelerfolg von Bedeutung : |
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Das richtige Wetter: Am besten schießen die Pilze bei warmen Temperaturen und nach Regen. Direkt nach dem Schauer sollten Sie sich jedoch nicht unbedingt aufmachen: Die Pilze sind dann mit Wasser vollgesogen und schimmeln sehr schnell. |
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Die geeignete Stelle: Jeder Pilz hat seinen bevorzugten Standort. Die meisten Speisepilze, z.B. der Pfifferling, wachsen im Nadelwald. Steinpilze bevorzugen die Gesellschaft von Kiefern und Fichten. Naturschutzgebiete und Schonungen sind für Pilzsammler tabu! Auch Gebiete in der Nähe von Schadstoffquellen wie Straßen oder Fabrikschloten sollten Sie meiden. Der Wiesenchampignon im städtischen Park mag üppig und verlockend aussehen, mit Sicherheit enthält er jedoch ein Sammelsurium aus verschiedensten Schadstoffen – lassen Sie ihn lieber stehen. |
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Die beste Ausrüstung: Nehmen Sie ein scharfes, kleines Messer mit – so können Sie die Pilze am schonendsten ernten. Zum Aufbewahren eignet sich ein Korb, engmaschige Netze oder Stofftaschen. Plastiktüten sind unbrauchbar: Durch den Luftabschluss "schwitzen" die Pilze und beginnen schnell zu verderben |
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Beim Pilzesammeln gilt: Klasse geht vor Masse |
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Sind Sie dann unterwegs auf der Suche nach den Ingredenzien eines köstlichen Pilzgerichtes, hier einige Tipps zum Sammeln: |
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Nicht in blinde Sammelwut verfallen: Nehmen Sie nur Pilze, die Sie als essbar kennen. Sind Sie unsicher – lassen Sie den Pilz besser stehen. Dies gilt besonders für Lamellenpilze: Bei ihnen ist die Gefahr einer tödlichen Verwechslung am größten |
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Unbekannte Pilze getrennt aufbewahren: Wollen Sie dennoch einige unbekannte Pilze mitnehmen, um sie im Nachhinein zu bestimmen, müssen Sie diese getrennt von den sicheren Speisepilzen transportieren. Ein Knollenblätterpilz in der Tasche kann durch Bruchstücke und Sporenabwurf eine ganze Ladung "guter" Pilze giftig machen. |
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Fundstelle pflegen: Kennen Sie eine ergiebige Fundstelle, dann räumen Sie nicht alle Pilze ab. Lassen Sie sehr junge und überalterte Exemplare stehen. So erhalten Sie sich selber und anderen den guten Pilzgrund. Schneiden Sie die Pilze mit dem Messer möglichst tief unten am Stil ab, ohne die Wurzel aus der Erde zu reißen. |
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Rücksicht auf das Leben im Wald: Auch wenn Sie von der archaischen Freude des Nahrungssammelns überwältigt werden: Verhalten Sie sich möglichst still im Wald. Für viele Tiere stellen die umherstreifenden Pilzsammler sowieso schon einen großen Stress dar. |
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Qualität statt Quantität: Nehmen Sie nur appetitliche Pilze an sich. Selbst der beste Speisepilz kann schlimmes Unwohlsein hervorrufen, wenn er schon angeschimmelt oder verdorben war. Deshalb: Fleckige, verschrumpelte oder schmierige Pilze stehen lassen |
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Nicht zu viel in die Tasche: Pilze sind sehr druckempfindlich. Die leckersten Exemplare schmecken nicht mehr, wenn sie durch zu viel Auflast in Tasche oder Korb zusammengedrückt und zerquetscht wurden. |
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Vorreinigen erspart Mühe und Ärger: Befreien Sie die gefundenen Pilze schon an Ort und Stelle von Pflanzenteilen und Erdreich. Besonders Sandkörner, die in Poren oder Lamellen eindringen und später nicht mehr zu entfernen sind, können den Genuss trüben. Auch madige Stellen sollten Sie gleich an der Fundstelle ausschneiden. |
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Sind Sie zu Hause bei dem einen oder anderen Pilz nicht sicher, ob er essbar ist, können Ihnen Pilzberatungsstellen weiterhelfen. Fragen Sie Ihr örtliches Gesundheitsamt oder die Verbraucherzentrale, wer hierfür zuständig ist. Die Pilzberatungen sind allerdings keine Sortierstellen – ein Grund mehr, sich schon beim Sammeln genau zu überlegen, was in den Korb kommt, und was nicht. |
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